Mit mächtigem Ruck riß er sich los und wich zwei Schritt zurück, Tod in den glühenden Augen. Es brauste in meinem Kopf, eine jubelnde Befreiung war in mir, daß es nun Kampf galt, daß ich ihn nicht abschlachten mußte wie ein Tier. Streitlust, die aller Gründe vergaß, faßte uns beide, und wie ein Sturmwind hausten wir umschlungen in dem Zimmer, lautlos, die Zähne verbissen, denn uns beiden war nicht um Horcher zu tun.

Wählingerblut! Er war es, bei Gott, denn solche Kraft war mir nirgends begegnet; ich keuchte unter seinen gewaltigen Armen und brauchte meine ganze Stärke; aber das zähere Alter blieb Sieger, ich warf ihn über die Schwelle, kniete auf seinem Leibe und drosselte ihn mit beiden Händen. Die Augen quollen ihm erschreckend aus den Höhlen, ich mußte wegschauen. Da leuchtete aus dem zerrissenen Hemd seine weiße Brust und unter dem Herzen das dreigespaltene Mal der Trebilons.

Ein eisiger Blitz durchfuhr mich vom Scheitel bis zu den Füßen, ich starrte entsetzt in das verkrampfte Gesicht vor mir. Ich wollte schreien, aber nur ein heiseres Wimmern brach aus der Kehle. Gott! Laß es nicht zu! Nicht zu!

Ich weiß nicht, wie ich es zustande brachte, das Richtige zu tun, überhaupt zu handeln. Wie eine Feder schwang ich den schweren Körper auf meine Arme und lief nach den Trögen, in denen das Regenwasser für den Garten stand, netzte seine Stirn, rieb seine Brust, arbeitete an dem leblosen Leibe, daß mir der Schweiß aus allen Poren drang, ohne aufzusehen, ohne Unterlaß, ohne auch nur dem heißen Drang nachzugeben, diese geliebten Lippen zu küssen. Ich betete und fluchte in einem, aber Gott rechnet das Gestammel der umdüsterten Seelen nicht. Seine Liebe ergoß sich auch über diese grauenvolle Stunde und prüfte mich nicht über meine Kraft. Denn ich hätte es nicht ertragen.

Er lebte, der bleiche Morgen beschien sein erstauntes Gesicht, unsicher blickte er mich an. Ich legte den Finger auf den Mund und hieß ihn schweigen.

»Ohne Sorge, ich bin dein Freund, mag es dir auch seltsam vorkommen. Bei dem ewigen Gott, ich will euch beiden helfen, wenn ihr es ehrlich miteinander meint!«

Ein besseres Mittel, ihn zum vollen Leben zu erwecken, konnte ich nicht finden. Er sprang auf, taumelte und stützte sich an mir.

»Väterchen,« stammelte er, »du hast eine eigene Art für Freundschaftsbeweise, aber Knochen wie ein Gaul oder wie mein Vater – sag, kann ich dir trauen? Und warum? Besinnst du dich auf dein christlich Herz?«

»Darum kümmere dich nicht, du arger Junge! Wie alt bist du?« Er ahnte nicht, mit welcher Spannung ich an seinen Lippen hing.

»Letzten Martin achtzehn geworden,« stotterte er verlegen, er fühlte seine grüne Jugend als wenig ausreichende Grundlage für Liebesdinge; »jedoch in unserem Geschlecht sind frühe Heiraten nicht selten.«