Ich hörte ihn kaum, eine tiefe Seligkeit entführte mich in eine wundersame Welt; er war mein Sohn, mein eigen Fleisch und Blut. Die Zeit stimmte, Aleit mußte gesegneten Leibes gewesen sein, und dies zu der Stunde, da ich Wildling sie schier zu Tode schlug. Späte Scham stieg mir in das früh ergraute Haar, aber die übergroße Freude ließ keine Schatten aufkommen. Ach, wie mußte ich mich bezwingen, mein Kind nicht in die Arme zu schließen! Ich wußte nicht, wie das anstellen, da half er mir selber:
»Alter, ich traue dir nicht! Wie willst du mir bürgen, daß du uns nicht beide verdirbst? Sobeide und mich! An mir ist nichts gelegen; doch wie kannst du, ein Christ, das Mädchen einem Ungeliebten verschachern?«
In einer jähen Erleuchtung griff ich an mein Herz, fast hätte ich laut gejubelt.
»Schwöre mir beim Leibe des Herrn, über das, was ich dir jetzt zeigen will, für immer zu schweigen!«
Er hob betroffen die Hand zum Himmel; ich aber schob mein Gewand zur Seite und zeigte ihm das Mal unter meinem Herzen.
»Auch ich bin ein Trebilon, wie du von der Seite deiner Ahne. Nun bin ich der Mönch Ronald und tot für mein Geschlecht. Glaubst du jetzt?«
Mit leerem Ausdruck saß der Junge da, dann sprang er auf mich zu, umarmte mich und küßte meinen zerschundenen Mund und rief:
»Den Papst zum Vetter! Dem Mütterchen eine Tochter, und dir – ein Bistum!«
Mich lähmte die Wonne, jauchzende Gebete stiegen lerchengleich aus meinem Herzen; alles, alles hatte mir Gott vergolten durch diesen einen kurzen Augenblick.