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Der Rausch verflog, die Seele rüstete sich zum Kampf. Jussuf war für einige Tage verritten; ich hätte ihm nicht ins Gesicht sehen können. Der Himmel, der mich mit Freuden überschüttete, forderte von mir Verrat, und angstvoll lauschte ich in mich hinein, was das Schicksal von mir erwartete. Pläne wurden geboren und verworfen, es blieb nur die Flucht. Zuvor aber mußte ich Sobeide vor mir sehen, und zagenden Herzens schritt ich in das Frauenhaus.

Sie empfing mich mit glänzenden Augen, und so fröhlich mich sonst dieses Licht gemacht hätte, heut stimmte es mich schwermütig, denn ich kannte seinen Ursprung und trauerte, daß mein Kind Geheimnisse vor mir hatte. Mein Kind – war jener andere nicht viel mehr mein Kind? Ich schüttelte die Gedanken von mir ab, das Gebot der Stunde ertrug nicht die Betrachtung so kunstvoll ineinandergeschlungener Schicksalsfäden. Das Kind saß neben mir, ich hatte meinen Arm um seinen Hals gelegt.

»Diese Nacht belauschte ich dich,« sagte ich und fühlte, wie sie schwerer an meine Brust sank.

Plötzlich faßte sie meine beiden Hände, bebende Angst in den Augen.

»Ihm ist nichts geschehen, Vater?«

»Nein,« sagte ich und wußte genug.

Sie barg ihr Köpfchen an meine Schulter und weinte leise.