»Die langen Jahre hat Jussuf dich gehätschelt und verwöhnt, er liebt dich mit der Glut seines starken und treuen Herzens; nun läufst du ihm davon, mit irgendwem, mit nirgendwem! Dies ist Frauendank.«

So sprach ich und schlug ihr Herz blutig, indes meins vor Weh brechen wollte. Sie sank in sich zusammen und weinte auf meine Hände, unaufhaltsam quoll die bittere Flut aus ihren Augen.

»Ist denn nichts, was dich zu dem Emir zieht?«

Da sprach sie endlich ein paar zitternde Worte, und sie, die bis vor kurzem von Liebe nichts wußte, war nun ganz in Liebe getaucht.

»Doch, Vater, doch! Ich hab ihn lieb wie einen Bruder, er ist der edelste und gütigste Mensch – nächst dir, Vater,« verbesserte sie sich und streichelte meine Seele, »aber Harald hält mein Herz und ich seins. Straft mich, wenn es unrecht ist, doch ich kann nicht von ihm lassen, im Leben und im Tode nicht.«

Das waren große Worte, aber sie wuchsen aus dem schlichten Grunde ihres Wesens wurzelecht und selbstverständlich wie Opferflammen aus heiligem Herd. Jussufs Schale hob sich und verschwand in Fernen; mir blieb keine Wahl.

»Steht es so, Kind, so will ich euch helfen,« flüsterte ich; »doch des seid gewiß, wir alle spielen mit dem Tode. Nur die Flucht rettet euch, und wehe, wenn uns Jussuf einholt!«

»Dann sterben wir vereint!« erwiderte sie mit glücklichen Augen, sie hörte nur das Versprechen der Hilfe und sah keine Gefahren. »Du aber, Väterchen, mußt mit uns gehen, ich mag dich nicht lassen.«

Armer Jussuf! Drei Herzen sollten vor Seligkeit überströmen, und er, der unser aller Schicksal in den Händen hielt, blieb betrogen, einsam, leer in seiner Verlassenheit. Es mußte mir ein Wort hierüber entglitten sein, denn Sobeide schluchzte lauter auf, und ihr Leib zuckte hilflos in meinem Arm.

»Wär ich tot«, stammelte die Jugend, »und täte niemandem mehr ein Leid!«