Geruhsame Nacht in der Burg meiner Väter, unter einem Dach mit meiner verlorenen Liebe, mit dem Mörder meines Glücks! Die Leidenschaften zerbrachen mit wilden Fäusten ihre Ketten und heulten wie Sturmwinde um mein Lager; stöhnend wälzte ich mich, von Flammen gepeinigt, sprang auf und trat nackt auf den Altan und starrte auf den mailichen Garten, darin aus Blütendüften eine Nachtigall dicht unter mir sang. Die Mauern, die Bäume, die Brunnen im Hofe schimmerten blau umsilbert in dem vollen Mond, die lauen Atemzüge der Frühlingserde bewegten kaum ein Blatt; trunken sog ich die Heimat in mich hinein und vergaß im Rausch.
Ich wachte nicht allein. Vom jenseitigen Turmerker blickte der Bastard zu mir her, ich sah seine Augen im Mondlicht funkeln und wich verstört ins Gemach, in unwillkürlicher Bewegung die Hand über das Mal auf meiner Brust deckend.
Was trieb der Bastard dort? Schlief er nicht in Aleits Kammer? Lebten sie auseinander?
20
Das Morgenmahl wurde mir an das Bett gebracht; der Mensch, der es trug, war schon in meinen Diensten gewesen, und um ein Haar hätte ich ihn bei Namen genannt. Ich besann mich und schwieg erbittert. Fort aus diesem Hause! Jeder Stein zermalmte mich mit Erinnerungen, ich konnte nicht atmen unter diesem Dach, das die Gespenster toter Lenze beherbergte. Kaum war ich in der Kutte, als der Bastard eintrat.
In seinem verschlossenen Gesicht stand kein Erkennen zu lesen, aber das Tageslicht zeigte deutlich an, wie wenig auch ihn ein frühes Alter verschont hatte. Er vertat seine Zeit nicht mit Worten, grüßte mit gleichgebliebener Freundlichkeit und bat mich, ihm und Harald auf einem Ritt durch das Herzogtum zu folgen. Den Frauen würde es lieb sein, einen Tag ganz für sich allein zu haben; zumal die Herzogin freue sich auf die junge, schöne Helferin und wäre, da sie schwacher Gesundheit, gern mancher Bürde ihrer Pflichten ledig.
Ich ordnete schweigend mein Gewand; er konnte nichts argwöhnen, denn was sollte er mich sonst zu solchem Ritt bitten? Wie es auch sei, ich wollte an Verschlossenheit und Zucht nicht hinter ihm stehen und stimmte zwanglos zu, im geheimen froh, Aleit nicht sogleich unter die Augen kommen zu müssen. Die Beobachtungen der Nacht hatten das Bild der heimatlichen Verhältnisse, das ich klar glaubte, völlig verwirrt, aufs neue rang die Seele um ihr himmlisch Teil. Und, ach, um ihr irdisches.
Harald erwartete uns schon mit den Pferden; wir saßen auf und trabten ohne Geleit in den lichten Morgen. Der Bastard erläuterte uns jedes Ding; seine Kenntnisse gingen bis ins kleinste, jede Hufe Landes hatte in seinem Munde ihre Geschichte. Ich fand mich bald nicht mehr zurecht, mit wachsendem Erstaunen lernte ich, was dieser Mensch aus meinem Reich gemacht hatte. Da war kein Ödland mehr, da standen keine verfallenen Katen, da traf das Auge keine hungernde Not. Strahlend sauber saßen die Häuser breit und behäbig auf ihren grünen Hügeln, das glatte, schiere Weidenvieh war einheitlich gezogen und warf satte, bunte Flecke auf schwellende Wiesen. Viele Felder waren eingezäunt, damit Hirsche und Sauen nicht den Schweiß des Bauern verderben konnten; wohin ich blickte, sah ich die ordnende, segenstiftende Hand, und was der Bastard auch an mir getan, er war ein Fürst und Herr von echten Gottesgnaden und hatte sein Pfund nicht vergraben oder gar vergeudet.
Auf der Burg eines seiner Vögte saßen wir zu Tisch; es war dies der Sohn meines alten Zechgenossen Roger des Wilden, den inzwischen der Teufel geholt hatte. Ich hatte den Jungen als ein böses Früchtchen im Gedächtnis, fand aber einen wackeren, tüchtigen Mann, der Land und Volk in Ordnung hielt und dessen Brut sauber gewaschen und gekämmt in guter Haltung uns den Willkomm bot. Da ich das Kreuzeszeichen über ihre Flachsköpfe machte, traf mein Auge zufällig den Blick des Bastards, der mir voll feinen Spottes über mein priesterlich Gebaren schien.