Auch auf den gegenüber liegenden Felsen, den Lorenzstein, wo früher ein alter Pfeil gefunden wurde, versetzt man eine Burg, deren Bewohner mit den Rittern auf dem Arnstein in langer Fehde gelebt haben sollen. Die von dem Felsen getrennte Kuppe von gleicher Höhe, die rechts vom Eingange sich erhebt, wird gleichfalls zum Arnstein gerechnet, und das Volk gibt diesen Nahmen der ganzen umliegenden Felsengruppe. Vom Arnstein führt ein, vor einigen Jahren gebahnter Pfad durch den waldigen Wiesengrund, den der Weißbach belebt, zu dem
Kleinstein,
in dessen hohen Wänden wir schon vom Thale aus, wo der Weg an seinem Fuße hinläuft, eine scheinbar unbedeutende Oeffnung erblicken. Hinter Felsenblöcken zieht sich der Weg auf den Gipfel, und wir treten in die Oeffnung einer breiten Höhle, die sich zwischen zusammengeschobenen Sandsteinfelsen spitzig wölbt, und oben einen schmalen Spalt hat. Die Aussicht aus dem Eingange ist beschränkt, aber die Betrachtung des wunderbaren Baues dieser Wölbung belohnt den Wanderer.
Wer nicht sogleich den Rückweg antreten will, kann an diese Wanderung andere Reiselinien knüpfen. Den nächsten Ruheplatz bietet uns Saupsdorf, nur eine halbe Stunde vom Kleinstein entfernt, und von hier würde man nach Hinterhermsdorf gehen, wenn man die obere Schleuse an der Kirnitsch besuchen wollte, die wir in der Folge beschreiben werden. Wollen wir nach Schandau zurückkehren, so lassen wir uns, wenn geognostische Merkwürdigkeiten uns anziehen, vom Kleinstein, am Abhange des Hirschwaldes hin, durch das Kirnitschthal auf den Heilenberg führen, aus dessen Sandsteinkuppen in einem sehr beschränkten Umfange, regelmäßige Basaltsäulen, die drei-, vier- und fünfseitig und oft 8 bis 10 Fuß lang sind, hervor brechen, und zum Theil in großen Haufen umher liegen. Das Gestein ist von grauschwarzer Farbe, und enthält häufig eingesprengte Magneteisensandkörner, die sich darin rundlich und stark glänzend zeigen, als ob sie geschmolzen wären. Auf dem Gipfel öffnen sich durch einige Waldblößen Aussichten in die Nähe und Ferne. Am Fuße des Berges sehen wir das Mundloch eines alten Stollns, deren man in der Umgegend, wo früher auf Magneteisenstein gebaut wurde, noch mehre findet.
Sind wir durch das Kirnitschthal hinaufgereiset, so werden wir den Rückweg über Ottendorf, oder über die Lichtenhainer Mühle (s. [S. 90].) und die hohe Straße wählen. Wer früh von Schandau aufgebrochen ist, könnte seine Wanderung verlängern, und sich vom Heilenberg über die drei Stege zum Zeughause im großen Zschand bringen lassen. Von hier würde er entweder auf den nächsten Wegen durch Dietrichs Grund und das Kirnitschthal, oder auch am Fuße des Falkensteins (s. [S. 103].) nach Schandau gehen, oder sich über den Roßsteig, oder durch die anziehenden Richters Schlüchte — die wir künftig besuchen werden — auf den großen Winterberg führen lassen und von hier über Schmilka, wo die reizend liegende Mühle einen Ruheplatz darbietet, zurück kehren.
[10] S. Götzingers Schandau, S. 530.
VI. Reise in den großen Zschand, Hiekels Schlüchte, Richters Schlüchte, und zurück über den Raubstein und Wildenstein.
Auch zu dieser Wanderung, wenn wir sie nicht an eine Verlängerung der vorhergehenden Reiselinie knüpfen wollen, brauchen wir ungefähr 10 Stunden. Der Fahrweg in den großen Zschand geht über Ottendorf; den Fußweg über die Lichtenhainer und Keßlers Mühle haben wir auf einer andern Wanderung ([S. 104.]) kennen gelernt. Wir wandern vom Bade an der Kirnitsch hinauf, bis sich, dem Fall des Beuthenwassers (s. [S. 55].) gegenüber, der Dietrichsgrund auf dem linken Ufer öffnet. Wir folgen diesem Seitenthale, das die Felsen und Höhen durchschneidet, und bis zum Fuße des kleinen Winterberges sich fortzieht. Hat man die früher ([S. 56.]) erwähnte Höhle am Wildenstein, die wir auf dem Rückwege sehen werden, von der Heidemühle aus besucht, so kann man, wenn man nicht gleich durch den Habichtsgrund (s. [S. 59].) weiter gehen will, auch in den Dietrichsgrund kommen. Aus diesem Thale führt durch die nasse Schlüchte ein Weg zu den beiden Speichenhörnern. Die höchste dieser Felsengestalten, die wie Burgen empor ragen, heißt das vordere Raubschloß, wo eine Burg gewesen sein soll. Man findet auch auf dem Gipfel des schwer ersteiglichen Felsens manche Spuren ehemahliger Bevestigungen und unter andern eine, wie es scheint, durch Menschenhände erweiterte Höhle, die eine der größten in dieser Felsengegend ist. Das Bauerloch, eine tiefe enge Felsenschlucht, läuft zwischen dem Speichenhorn und dem langen Horn, dessen Wände in verschiedenen Absätzen sich aufthürmen, von welchen der obere, mit dem untern nicht verbunden, auf Felsenstücken ruht, und von vielen Höhlen durchbrochen ist. Von diesem merkwürdigen Felsenbau ist der nahe Affenstein durch eine Schlucht abgesondert.
Wir können durch das Bauerloch auf einem steilen Pfade in den Dietrichsgrund zurück kehren, und gehen dann längs dem Fuße des kleinen Winterberges und unter dem Raubstein weg durch die Wieselschlüchte in den