wo wir im Zeughause, einem königlichen Jagdgebäude, Obdach finden. Das Felsengebiet östlich von Schandau wird in seiner ganzen Breite von diesem Thale durchschnitten, durch welches die Hauptstraße aus dem, östlich von Sebnitz liegenden Theil Böhmens über Ottendorf nach Hirniskretschen führt. Auf beiden Seiten des Thales laufen bis gegen das Zeughaus hohe, in mannigfaltigen Gestalten empor ragende Felsenwände, die bald mit jungem Gehölz bekleidet, bald mit Moos, Farrenwedeln, oder wildem Efeu mahlerisch geschmückt, oft auch von wildem Rosmarin umschlungen sind, dessen würziger Duft den Wanderer an warmen Sommertagen erquickt. In der Nähe des Zeughauses findet man Magneteisensand, womit der Boden in frühern Zeiten so reichlich bedeckt war, daß man ihn im Anfange des vorigen Jahrhunderts bergmännisch gewann. Die Gesellschaft, welche diesen Bau, zugleich mit dem oben erwähnten Versuchbau am Heilenberg, betrieb, hieß die Granatengewerkschaft, weil man den Eisensand Granaten nannte, und 1723 ward eine Münze von dem gewonnenen Metalle geprägt.

Auf beiden Seiten senken sich von den Höhen Felsenthäler in den großen Zschand hinab. Wir gehen zuerst längs der östlichen Wand hin, und kommen in 3 Viertelstunden in

Hiekels Schlüchte,

die sich am Ende der Thorwalder Wände öffnet. Wir steigen hinan und stehen vor dem Eingange der merkwürdigen großen Höhle. Im Hintergrunde dieser ungeheuren Wölbung quillt aus dem Felsen eine klare Quelle, die sich erst in einem natürlichen Becken sammelt und dann in einem verborgenen Abflusse sich verliert.

Wir gehen durch die Schlucht in den Zschand zurück, und erreichen nach einer Viertelstunde die, an der westlichen Wand des Zschands sich öffnende Webers Schlüchte, die sich, von üppigem Pflanzenwuchse begrünt, an den Polischhörnern zwischen prächtig empor steigenden Felsenwänden breit hinan zieht. Wer dem Zuge dieses Thales folgen will, kann über den Jordan (s. [S. 64–65]) bald zum Prebischthor kommen, oder über den Schlüssel gerade nach Hirniskretschen hinab gehen. Wir kehren in den Zschand zurück, und stehen bald vor dem Eingange eines andern Felsenthales,

Richters Schlüchte

genannt, das gleichfalls aus der westlichen Wand hinab fällt. Dieses mahlerische Thal verdient vor allen einen Besuch. In wunderbaren Gestalten erheben sich die Sandsteinfelsen auf beiden Seiten, bald wie die Mauern alter Burgen, bald wie Basteien und Thürme aus den Waldwipfeln hervor ragend, bis wir endlich, am Ausgange der Schlucht, unter dunkeln Schatten vor einem Felsenbau stehen, dessen Wände, prächtigen Tempeltrümmern ähnlich, über 100 Fuß hoch aufsteigen, und in einer kühnen Wölbung sich schließen. Von diesem Dom fällt immer Wasser in großen Tropfen an der hintern Wand in eine, von Felsenblöcken verdeckte Tiefe hinab, das im Frühlinge, oder nach langer Regenzeit zu einem rauschenden Fall anschwillt. Nicht weit von diesem Felsen, welchen man den Tempel in Richters Schlüchte nennt, führt ein, zum Theil steiler Pfad in 3 Viertelstunden auf den großen Winterberg, und links ein südwestlich laufender Weg in ungefähr gleicher Zeit zum Prebischthor.

Wir kehren wieder in den großen Zschand zurück und wandern längs der westlichen Wand zum Zeughause hinauf. In der Nähe des Hauses, an einer vom Heilenberg abfallenden Schlucht, erhebt sich der schroffe Teichstein, der seinen Nahmen von einem nahen Teiche hat, wo in frühern Zeiten große Wasserschlangen lebten. An der jenseitigen Thalwand hinter dem Jagdhause läuft durch eine, sich hier öffnende Schlucht der Roßsteig hinan, ein enger steiler Felsenweg, der uns zu dem, an der Pechschlüchte emporragenden Goldstein führt, dessen schroffe Wände gelbes Moos bekleidet. Von der Höhe blicken wir über die vorliegenden Felsenthäler in die Gegend von Hinterhermsdorf, über welche die sächsischen und böhmischen Gränzgebirge und der Bergzug des fernen Hintergrundes hervor ragen. Der Roßsteig führt weiter in südwestlicher Richtung über den Lehmhübel zum großen Winterberge, und über den Schlüssel zum Prebischthor. Wir aber folgen einem rechts ablaufenden Pfade, der uns zu den Bärfangwänden führt, wo wir in eine, dem Kuhstall ähnliche Höhle treten. Ein steiler Pfad läuft hier in die nasse Schlüchte hinab, und wo diese in den kleinen Zschand fällt, sehen wie eine Pechhütte dampfen.

Unweit der Bärfangwände, nahe an der Queene, erhebt sich auf einem hohen Berge der

Raubstein,