Mit durchdringendem Blicke sah Goethe mich an, und ich fühlte, wie mir das Blut zu Kopfe stieg. – Ein eisiges Schweigen folgte! Mir ward es immer ungemütlicher. Goethe nahm ein Buch zur Hand und blätterte darin, bis der Diener kam und meldete, daß das Essen bereit sei. Bei Tische waren noch Frau Christiane v. Goethe und August zugegen. Den zog der Vater ins Gespräch und unterhielt sich sehr lebhaft mit ihm. Mich ignorierte er völlig.
Goethe hatte durch dieses Ausfragen viele Freuden; zum Beispiel machte er auf solche bequeme Weise große Reisen. Als der Berliner Parthey bei ihm zu Tische war und von seinem Aufenthalte im Morgenlande sprach, da wollten die Andern nur hübsche Leckerbissen von ihm haben, abenteuerliche und rührende Anekdoten hören; aber der alte Meister wehrte sie ab, und Parthey mußte ihm drei Tage hindurch seine ganze Reise Schritt für Schritt schildern.
Belehrung durch die Gäste
Der Architekt Wilhelm Zahn kam 1827 nach Weimar mit den schreckhaftesten Vorstellungen über des Dichters Unzugänglichkeit; trotzdem wagte er sich in das Haus.
Auf dem Flure trat mir ein Diener entgegen, dem ich meinen Namen nannte: „Zahn, Maler und Architekt.“
„Maler und Architekt!“ wiederholte mechanisch der Diener, indem er mich zweifelhaft musterte.
„Sagen Sie Sr. Exzellenz: Aus Italien kommend.“
„Aus Italien kommend“ wiederholte Jener und entfernte sich, worauf er alsbald zurückkehrte und mich bat, ihm zu folgen.
Bald saß Zahn dem Gefürchteten gegenüber.
„Waren also in Italien?“