„Drei Jahre, Exzellenz.“
„Haben vielleicht auch die unterirdischen Stätten bei Neapel besucht?“
„Das war der eigentliche Zweck meiner Reise. Ich hatte mich in einem antiken Hause zu Pompeji behaglich eingerichtet, und während zweier Sommer geschahen alle Ausgrabungen unter meinen Augen.“
„Freut mich! Höre Das gern“ sagte Goethe, der eine gedrungene Redeweise liebte und gern die Pronomina wegließ. Er rückte mit seinem Stuhle mir näher und fuhr dann lebhaft fort: „Habe den Akademien zu Wien und Berlin mehrere Male geraten, junge Künstler zum Studium der antiken Malereien nach jenen unterirdischen Herrlichkeiten zu schicken; um so schöner, wenn Sie Das auf eigene Hand getan. Ja, ja! das Antike muß jedem Künstler das Vorbild bleiben. Doch vergessen wir das Beste nicht! Haben wohl einige Zeichnungen in Ihrem Reisekoffer?“
„Ich habe die schönsten der antiken Wandgemälde meist gleich nach der Entdeckung durchgezeichnet und farbig nachzubilden gesucht. Wünschen Exzellenz vielleicht einige davon zu sehen?“
„O gewiß, gewiß!“ fiel Goethe ein, „mit freudigem Danke. Kommen Sie nur zum Essen wieder. Speisen gegen zwei Uhr. Werden noch einige Kunstfreunde finden. Sehne mich ordentlich nach Ihren Bildern. Auf Wiedersehen, mein junger Freund!“ – –
So ergriff er auch jede Gelegenheit, sich zum Erfassen der besten Musik zu bilden. Er richtete sich während der napoleonischen Zeit einen eigenen bescheidenen Singechor ein; von ihm hörte er mit seinen Hausgenossen jeden Sonntagmorgen geistliche und weltliche Gesänge. Als Goethe im Winter 1818 auf 19 drei Wochen in Berka zubrachte, mußte ihm der Organist Schütz dort täglich drei bis vier Stunden vorspielen, und zwar in historischer Reihenfolge Sebastian Bach bis zu Beethoven durch Philipp Emanuel Bach, Händel, Haydn, Mozart, auch Dussek und dergleichen mehr. Zugleich studierte er musiktheoretische Schriften. Und noch, als den Achtzigjährigen das Spiel des jungen Felix Mendelssohn entzückte, mußte ihm der Knabe die ganze Entwicklung der Musik vordozieren und vorspielen.
Und da sitzt er in einer dunkeln Ecke wie ein Jupiter tonans und blitzt mit den alten Augen. – –
Umgehen mit klugen Leuten
So hielt er es in Allem. Fuhr er mit Eckermann spazieren, so mußte Dieser ihm lange Vorträge über die Lebensweise seiner geliebten Vögel halten, und im Garten nahmen sie einmal die ganze Lehre vom Bogenbau und Bogenschießen sehr gründlich durch, weil Das auch ein Steckenpferd Eckermanns war. Und der Sechsundsiebzigjährige suchte auch dieser Übung noch Herr zu werden: