Stadelmann

Unter Philipps Nachfolger war Karl Stadelmann aus Jena einer der wichtigsten; er trat am 1. Februar 1817 seine Stelle als Kammerdiener an, und schon im April läßt er von Jena aus an den jüngeren Herrn v. Goethe bestellen, daß er bei seinen mineralogischen Wanderungen in der Gegend glücklich sei und auch schon den Befehl erhalten habe, den Ettersberg auf seine Art zu untersuchen. Und schon vorher, am 30. März, steht in Goethes Tagebuche: „Wunderbarer Fund von Versteinerungen an der alten Löbstädter Straße durch Stadelmann und Barth“ – Barth war der Kutscher. Nicht lange danach berichtete Stadelmann an den Bibliotheks-Sekretär Kräuter, daß er wegen all des gelehrten Betriebes nicht zum Briefschreiben gekommen sei. „Sehen Sie, hier in Jena, da laufen Unsereinem die Professoren immer vor den Füßen herum: da kommt ein Bergrat, dort ein Chemiker, da wieder ein Künstler, ein Technolog und weiß Gott was alles; ich muß mich den ganzen Tag mit den Leuten so herumbalgen, und da hab’ ich denn Jedem so etwas abgemerkt.“

Stadelmann und Krause

Sieben Jahre bewährte sich Stadelmann als gelehrter Kammerdiener. Er suchte in Thüringen und Böhmen die Berge ab nach seltenen Steinen für die Sammlungen seines Herrn und eignete sich auch auf anderen Gebieten viele Kenntnisse an. Soret erzählt, wie Karl einmal mit triumphierender Miene das Gespräch unterbrochen und um die Erlaubnis gebeten habe, Goethen eine neue Entdeckung vorzutragen. Es handelte sich um die geliebte Farbenlehre.

„Ich habe ein Weinglas auf ein weißes Blatt Papier gestellt – so – ferner eine Kerze“ begann Karl. „Man sieht, daß das durch die Flüssigkeit dringende Licht auf dem Papier drei Sonnen mit einem Regenbogen hervorbringt, wie wir ihn neulich am Himmel beobachteten. Dreht man es so, so sieht man eine Sonne; so werden es zwei und so drei. Und hier ist der Regenbogen, hier der helle Kreis und hier der dunkle Kreis.“

Goethe hörte andächtig zu, obwohl er sogleich sah, daß hier wieder einmal der Laie aus richtiger Beobachtung voreilige Schlüsse zog. Und Stadelmann war glücklich. „Jawohl!“ rief er aus, „es ist doch sonderbar, es ist merkwürdig! Ich habe nur eine halbe Stunde zu diesem Experimente gebraucht und würde wohl noch Anderes entdecken, wenn ich nur Zeit hätte!“

Noch in der Nacht vor seinem eigenen Tode zeigte sich Goethes gutes Herz gegen seine Diener. Er sah, daß Friedrich vom vielen Nachtwachen der letzten Wochen sehr müde war; und er mußte ihn doch in seiner Nähe haben. Da ließ er ihn auf seinem eigenen Bett schlafen, während er im Lehnstuhl, wo er leichter Atem bekommen konnte, daneben saß; der Kopist mußte in dieser letzten Nacht aufpassen, daß der Kranke nicht beim Einschlafen vornüber fiel.

[12] So heißt es in einer Variante zur dritten Bearbeitung des ‚Götz‘.

[13] Prolog zum moral.-pol. Puppenspiel 1774.