VII.
Geselligkeit.
Auch wenn wir von Goethes Geselligkeit reden, müssen wir ihm Eigenschaften zuschreiben, die einander widersprechen: er war gewandt und steif, biegsam-schmiegsam und unbeholfen, Zauberer und Pedant, hingebend und unfühlend.
Wir haben also sehr verschiedenartige Urteile über seinen Umgang mit Menschen. Sobald er als Dichter aufgetreten war, bewunderten seine neuen Bekannten auch den Menschen in ihm und rühmten seine Unterhaltung in höchsten Tönen. Wirklich in höchsten, denn ein Schriftsteller und Hofmeister Clemens Werthes verglich ihn geradezu mit Christus und fragte: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?“ Er war damals aber auch ein recht gutmütiger Gesellschafter, wenigstens wenn er in neue Kreise trat, wie zum Beispiel als Begleiter Lavaters im Sommer 1774. Dieser bezeugte denn auch: „Ich habe ihn neben Basedow und Hasenkamp,[14] bei Herrnhutern und Mystikern, bei Weibchens und Männinnen: allenthalben denselben edeln, Alles durchschauenden, duldenden Mann gesehen.“
Wielands Lobgesang
Acht Wochen nach Goethes Erscheinen in Weimar dichtete Wieland die Verse:
Mit einem schwarzen Augenpaar,
Zaubernden Auges voll Götterblicken,
Gleich mächtig zu töten und zu entzücken,
So trat er unter uns, herrlich und hehr,
Ein echter Geisterkönig, daher! – – –