Als Goethe nach Weimar kam, fand er, daß an diesem Hofe, wie an allen deutschen Höfen, das Kartenspiel die tägliche Unterhaltung war, ebenso bei allen adligen und bürgerlichen Gesellschaften. Bei den Redouten fehlte auch die Pharaobank nie. Wir wissen nur wenig von großen Geldverlusten; der Zeitverlust aber war ein ungeheurer. Die Wenigen, die sich ausschlossen oder gar gestanden, sie hätten die Spiele nicht gelernt (L’hombre, Tarock, Whist usw.) wurden von den damaligen Regelrechten wie Meerwunder angestaunt. Goethe und Frau v. Stein gehörten zu diesen Ausnahmemenschen: schon diese Besonderheit führte sie in Gesellschaft zueinander.

Goethe hat von diesem Zeitverderb sein ganzes Leben lang keine gute Meinung gehabt, und in Bausch und Bogen könnte man sagen, er habe keine Karten gespielt. Einige Ausnahmen finden sich jedoch; z. B. spielte er in den Jahren 1811, 12 und 13 ziemlich oft nach Tische oder auch abends mit Christiane, August und den Schauspielerinnen Engels und Lortzing eine Partie Whist. Im Januar 1814 schildert er einem alten Freunde, wie er jetzt den Frauen schön tue: „Mit den bejahrten spiele ich Karte und die jüngeren lehre ich Irgendetwas.“

Danach oder mit Christianens Ausscheiden scheint das Kartenspielen für ihn aufgehört zu haben. Aus seinen letzten Jahren bezeugt einer seiner Freunde, Soret, daß Goethe diese Art, sich in größeren Gesellschaften zu unterhalten, abscheulich fand; er spottete darüber, daß die Schönen in all ihrer Huld und Frische mit jungen, fast unbärtigen Männern die gelehrten Regeln des Whist und Boston ernsthaft besprachen. „Doch laßt’s nur gut sein“ meinte er dann wohl, „in unserer Zeit, wo die Throne gestürzt werden, zeigt man seine natürliche Liebe zur Ordnung und Unterordnung wenigstens durch Anerkennung des Karo-Königs.“

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Tanzen

Das Tanzen war in Goethes Zeit und in den Kreisen, wo er sich bewegte, ein sehr häufiges Vergnügen; die Tanzkunst war bei den Vornehmen geradezu eins der ersten und wichtigsten Unterrichtsfächer; es ward noch mehr Zeit darauf verwandt als auf den Katechismus. Unter Goethes Freunden waren denn auch nicht wenige Künstler in diesem Fache; er selber tanzte sehr gern und blieb zeitlebens ein Lobredner dieser Unterhaltung. Auf die Ausschmückung der Redouten hat er sehr viel Zeit verwandt. Zum letzten Male „tanzte“ er am Abend vor seinem 74. Geburtstag; es war in Karlsbad bei einem Tanztee, den Graf Zenigeo gab: „Zu der Schlußpolonaise forderte mich eine polnische Dame zum Tanze auf, den ich mit ihr herumschlich und mir nach und nach beim Damenwechsel die meisten hübschen Kinder in die Hand kamen.“

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Ebenso begünstigte er das gesellschaftliche Theaterspiel zeitlebens, sowohl bei Erwachsenen wie bei Kindern. Als vierjähriger Knabe erlebte Goethe die erste häusliche Schauspiel-Vorstellung durch ein Puppentheater, das er zu Weihnachten bekam; das letzte Theaterstück sah er als zweiundachtzigjähriger Greis, wiederum zu Hause; seine Enkel und ihre jungen Freunde spielten ihm am 6. November 1831 seine eigene ‚Fischerin‘ vor.

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Klatsch