Verwandte Maximen hatte er schon früher aufgeschrieben: „Der Irrtum wiederholt sich immerfort in der Tat; deswegen muß man das Wahre unermüdlich in Worten wiederholen.“ Oder:
Es mag sich Feindliches eräugnen,
Du bleibe ruhig, bleibe stumm!
Und wenn sie dir die Bewegung läugnen,
Geh’ ihnen vor der Nase herum!
Schon als Sechsundzwanzigjähriger, im ersten weimarischen Dienstjahre, hielt Goethe es so und lebte, während er nach Wielands Ausdruck die ganze Hennebergische Natur abzeichnete, in Ilmenau völlig unbekümmert, „daß die Welt, die er vergessen hat, soviel von ihm und gegen ihn spricht.“ Er sah damals wohl ein, daß er von den gegen ihn, den Günstling eines unreifen Fürsten, erhobenen Anklagen sich rein waschen müsse; aber nicht Reden waren die beste Verteidigung, sondern ein andauerndes uneigennütziges Handeln. Als Schriftsteller hatte er die gleiche Politik. „Lassen Sie uns nur unsern Gang unverrückt fortgehen!“ schrieb er 1795 an Schiller; „ich kenne das Possenspiel des deutschen Autorwesens schon zwanzig Jahre in- und auswendig. Es muß nur fortgespielt werden: weiter ist dabei nichts zu sagen.“ Und das Gleiche lehrte er für häusliche und bürgerliche Dinge. Als seine Christiane nach der kirchlichen Trauung mit ihm noch mehr als früher angegriffen und verleumdet wurde, antwortete er ihr:
Wenn Dir die Leute Deinen guten Zustand nicht gönnen und Dir ihn zu verkümmern suchen, so denke nur, daß Das die Art der Welt ist, der wir nicht entgehen. Bekümmere Dich nur nichts drum, so heißt’s auch nichts! Wie mancher Schuft macht sich jetzt ein Geschäft daraus, meine Werke zu verkleinern! Ich achte nicht darauf und arbeite fort.
Wo aber die Feindseligkeiten in der Tat nicht wirkungslos bleiben, fragt es sich noch, ob sie schaden oder nützen. Gegen den französischen Diplomaten Reinhardt meinte Goethe 1807:
Der böse Wille, der den Ruf eines bedeutenden Mannes gern vernichten möchte, bringt sehr oft das Entgegengesetzte hervor: er macht die Welt aufmerksam auf eine Persönlichkeit, und da die Welt, wo nicht gerecht, doch gleichgültig ist, so läßt sie sich’s gefallen, nach und nach die guten Eigenschaften Desjenigen gewahr zu werden, den man ihr auf das schlimmste zu zeigen Lust hatte. Ja, es ist sogar im Publikum ein Geist des Widerspruchs, der sich dem Tadel wie dem Lobe entgegensetzt.
Und an Schiller schrieb Goethe sogar, die gegen sie beide gerichteten Schmähschriften seien ganz nach seinem Wunsche, denn