Mädchen zur Stunde sich zeigt, so bleibt das Wählen im Weiten,

Und es wirket die Furcht, die Falsche zu greifen, am meisten.

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Christiane

Als Goethe aus Italien heimkehrte, fühlte er sich in Weimar einsamer als je vorher; und namentlich fand auch Charlotte v. Stein ihn umgewandelt, ihr entfremdet. In dieser Lage lernte er die vierundzwanzigjährige Christiane Vulpius kennen, eine Waise aus einer verarmten Beamtenfamilie; eines Tages stand sie mit einer Bittschrift ihres Bruders im Garten vor ihm als ein hübsches Kind „von naivem, freundlichem Wesen, mit vollem, rundem Gesicht, langen Locken, kleinem Näschen, schwellenden Lippen, zierlichem Körperbau und niedlichen, tanzlustigen Füßchen.“ So war das Mädchen wie eine Blume unter den anderen Blumen. Und der Dichter erzählt weiter:

Ich wollt’ es brechen,

Da sagt es fein:

Soll ich zum Welken

Gebrochen sein? – –

Ich grub’s mit allen