Nicht der Regen, nicht der Sturm

Haucht ihm Schauer über’s Herz.

Wen du nicht verlässest, Genius,

Wird dem Regengewölk,

Wird dem Schlossensturm

Entgegen singen,

Wie die Lerche,

Du da droben.

Jetzt lernte er auch, ein Schifflein auf dem Flusse zu lenken, und namentlich wurde er ein sehr eifriger Schlittschuhläufer. Dabei spielte Klopstocks Begeisterung für dies gesundeste Vergnügen mit. Dieser angesehenste Dichter der damaligen Zeit ermahnte alle seine Freunde unter den deutschen Gelehrten und Schriftstellern zu einem frischeren Leben in freier Natur und pries ihnen unermüdlich das Baden und Schwimmen, Reiten und Eislaufen an: Dinge, die damals eigentlich gegen die Würde eines gelehrten Mannes gingen.

In Weimar traf Goethe auf einen achtzehnjährigen Fürsten, dessen Leidenschaft das Leben im Freien, das Reisen, Jagen und Hetzen war, der sich in weiten Bergwäldern hundertmal wohler fühlte als in prächtigen Zimmern und der als ein von Geburt Schwächlicher und Kränklicher nur durch Abhärtung und Wagemut ein lebenswertes Leben gewinnen konnte. Goethe war bereits ruhiger und reifer, aber die gleiche Gesinnung, das gleiche Verlangen trug auch er in der Brust – die Egmont-Gesinnung – und so stärkten sich der Fürst und sein neuer Freund aneinander. Man kannte in Weimar das Schlittschuhlaufen noch nicht; Goethe und der Husaren-Rittmeister Friedrich v. Lichtenberg führten es jetzt ein, unterrichteten darin, und nun verbrachte Goethe viele Winterstunden unter den Eisläufern und Schlittenfahrern. Viel wichtiger aber war, daß ihn draußen im Ilmtal ein zum Verkauf ausgebotener Berggarten, in dem auch ein altes Häuschen stand, anlockte; er kaufte dies verwahrloste Besitztum, richtete es als seine Wohnung ein und hatte noch lange Zeit daran zu verbessern; z. B. baute er an der Südseite einen Altan vor seine Wohnzimmer. So ward er immer wieder veranlaßt, auch wenn ihn der eigene Wunsch nicht antrieb, sich im Freien zu bewegen.