Im Greisenalter fuhr er gewöhnlich spazieren, aber so lange es ging, schritt er weite Wege zu Fuß, immer ohne Stock. Beim Gehen durch die Felder schlenderte er die beiden Hände fast überzwerch und berief sich dafür auf die Tiere, die ja auch die Vorderfüße überzwerch setzten.

An seinem Geburtstage 1831, als er zweiundachtzig Jahre vollendete, sehen wir ihn zum letzten Male als den „Wanderer.“ Es hatte ihn noch einmal nach Ilmenau gezogen. Am frühen Morgen fuhr er mit dem Berginspektor Mahr über Gabelbach auf den Gickelhahn. Auf dem Rondell erquickte er sich an der weiten Aussicht und gedachte der Gefährten, die einst mit ihm hier gestanden. „Dann“, so erzählte nachher sein Begleiter, „schritt er rüstig durch die auf der Kuppe des Berges ziemlich hochstehenden Heidelbeersträucher hindurch bis zu dem wohlbekannten zweistöckigen Jagdhause, welches aus Zimmerholz und Bretterbeschlag besteht. Eine steile Treppe führt in den oberen Teil; ich erbot mich, ihn zu führen, er aber lehnte es mit jugendlicher Munterkeit ab.“

Was er suchte, war das am 6. September 1780 von ihm auf die südliche Innenwand des Jagdhäuschens geschriebene Gedicht: Über allen Wipfeln ist Ruh. „Er überlas die wenigen Verse, und Tränen flossen über seine Wangen. Ganz langsam zog er sein schneeweißes Taschentuch aus seinem dunkelbraunen Tuchrock, trocknete sich die Tränen und sprach in sanftem, wehmütigem Ton: »Ja, warte nur, balde ruhest du auch!«“

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Er war zeitlebens ein Freund des frühen Morgens, in großem Gegensatz zu Schiller; bei der Lampe hat er selten gearbeitet; in der Regel ward seine Arbeit an dem recht langen Vormittage getan. Mit gutem Grunde lauten die ersten Verse in seinen gesammelten Gedichten:

Der Morgen kam: es scheuchten seine Tritte

Den leisen Schlaf, der mich gelind umfing,

Daß ich, erwacht, aus meiner stillen Hütte

Den Berg hinauf mit frischer Seele ging ...

Im Alter begann er den frühen Tag allerdings im Arbeitszimmer, aber in jungen Jahren holte er sich manches Mal zuerst einen Trunk Morgenluft aus der freien Natur: