Die älteren geologischen Zeiten verlangten noch ganz andere Tierumformungen als nur die Zerspaltung des Säugetiers in so und so viel Ordnungen, Familien, Gattungen, Arten. Das älteste Säugetier sollte sich einmal vom Reptil, das Reptil vom Molch und Fisch abgespalten, schließlich das Wirbeltier aus dem Wirbellosen geworden sein. Das waren so riesige Umwandlungen, daß die Zeiträume selbst im höchsten geologischen Maß, an das man bisher gedacht, sich strecken mußten.

Die Biologie, von Darwin inspiriert, ging noch einmal für sich auf chronologische Maximalziffern.

Erst durch Darwin ist es geläufig geworden, von Jahrmillionen im größten Stil zu reden, von zwei-, dreihundert Millionen Jahren, die für das Leben allein auf der Erde nötig seien, — bis an die tausend Millionen, also die regelrechte Milliarde heran.

Rechnete man doch jetzt nicht mit dem Krakataufels, zu dem Wind und Welle und Vogel Geschlecht um Geschlecht schon anderswo vorhandenen Lebens trägt: auf dem ursprünglichen Fels hatte man nur die primitivste einzellige Alge etwa und aus der sollten je nach Ort und Gelegenheit auf dieser Ecke der Erdeninsel diese, auf jener jene Abarten sich entwickelt haben, die wiederum in Enkel- und Urenkelketten Wandel erlitten, bis der Fels endlich von immer höherem Leben autochthon grünte und so weiter bis zur höchsten Krone des Lebens.

Überschauen wir auf dieser Ebene die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, so bleiben wir trotz allem, was heute wohl gesagt wird, auf einheitlichem Boden.

Bei allem Zweifel an den engeren Darwinschen Sätzen ist der Grundgedanke einer langsamen natürlichen Entwickelung von Form zu Form immer fester und fester geworden.

Längst ist er nicht mehr bloß ein Anhängsel der rein geologischen Anschauung, wenn schon er sich nach wie vor aufs beste mit der modernen Geologie verträgt. Vor allem durch die vergleichende Anatomie, die heute alle biologische Systematik von Grund aus trägt, ist er zu einer völlig selbständigen Macht geworden, mit völlig eigenen Beweisketten, die bestehen blieben, auch wenn es gar keine Geologie gäbe.

Und so läßt sich der Zeitbegriff für die Spanne seit jener alten Buffon-Grenze, „seit Möglichwerden organischen Lebens auf der Erde“, heute tatsächlich rein biologisch begründen, ohne Rücksicht noch wieder auf jene zweite geologische Chronologie, wie sie in der Linie zwischen Werner und Lyell liegt.

Und wir mögen die Dinge wenden und drehen, wie wir wollen: wir kommen hier nach wie vor auf die denkbar größte Forderung.

Alle irgendwie sinnvollen Versuche, die ursprünglichen Darwinschen Erklärungsprinzipien für den Hergang der Entwickelung durch bessere zu ersetzen, kommen ja doch, wie gesagt, über den einen Punkt nicht hinaus: daß die Entwickelung langsam, Schritt für Schritt, sich vollzogen habe.