Und so ist es wirklich wie ein Wettlauf zwischen Geologie und Biologie, — wo die eine zögert, reißt die andere mit, und beide zusammen zerren schließlich den Faden der Chronologie in die Unfaßbarkeit an Länge.

Der Chronologie, wohl verstanden, zwischen dem alten Krakatau-Termin der oberflächlich erkalteten Erdschlacke Buffons und der Gegenwart!

Eine Milliarde Jahre als kleinste Annäherungsziffer dort, wo Buffon vor seinen sich abkühlenden Metallkügelchen des Experiments die schlichte Ziffer Vierzigtausend auf den Schild des Chronos geschrieben, zweifelnd und verlästert ob des chronologischen Ketzermutes, der Vierzigtausend gegen die Zahl Sechstausend der Theologie zu setzen wagte!

Aber wir sind mit der einen Linie bis ans Ende des 19. Jahrhunderts gestiegen. In dieser langen Zeit seit Buffon hatte auch der spezielle Gedanke jener Buffonschen Rechnung seine Sonderbahn beschrieben und war tatsächlich sein eigenes Stück auch weiter gekommen.

Eine Weile ist es im 19. Jahrhundert allerdings gewesen, als sei Buffons Ziffer rein fortgefegt, so stark wurden jene anderen Zeit-Argumente. Sie war wie erdrückt, erlebte selber das Schicksal der biblischen Ziffer.

Aber grade in dieser Zeit fügen sich fortgesetzt Züge in das geologische Bild, die doch merkwürdig gut wenigstens ihre Voraussetzungen zu bestätigen scheinen.

Die Kant-Laplacesche Theorie wird fast allgemein angenommen und gibt eine ganz anders anschauliche Grundlage für die Vorstellung einer Abstammung der Erde von der glühenden Sonne und eines ursprünglich selber sonnenhaft glühenden Erdballs, als Buffon besessen hatte.

Vulkane, heiße Quellen, die Hebekräfte bei der Gebirgsbildung und vor allem eine ziffernmäßige Zunahme der Temperatur in den Bergwerken und Bohrlöchern machen vereint die Meinung wirklich einmal ganz fest, ganz „exakt“, daß das Innere der Erde noch jetzt glühendflüssig, ja im Herzen gar gasförmig sei.

Bloß über die Dicke der Erkaltungsrinde von heute bleibt noch Streit, die Grundangabe dagegen kommt in jedes Schulbuch.

Gelegentlich, schon recht tief im 19. Jahrhundert, wird sogar einmal von einem Gelehrten auch wieder ein umfangreiches Schmelz-Experiment gemacht: Bischof läßt große Kugeln geschmolzenen Basalts sich abkühlen, bohrt Löcher hinein und senkt Thermometer nach, um die Abkühlungsgesetze zu ergründen.