Schließlich scheint das ganze Material so wundervoll neu da zu liegen und doch ganz im Rahmen zugleich der alten Voraussetzungen, daß es nur eines findigen Kopfs braucht, um auch ohne Rücksicht auf den alten Buffon selbst eine reine Wärme-Rechnung von neuem in der Geologie auferstehen zu lassen.

Rund ein Jahrhundert nach Buffon nimmt denn auch William Thomson in England die Sache richtig auf und sucht abermals eine feste Ziffer.

Buffons Angabe ist natürlich in jedem Betracht zu klein. Eine so ungeheure Differenz kann unmöglich herauskommen zwischen der Temperatur-Rechnung und jenen Ziffern Lyells und Darwins. Aber Thomson geht im Übrigen doch wieder seinen Eigenweg, genau wie einst Buffon selbst.

Er holt die neuen Temperatur-Materialien zusammen und sucht mit ihnen durchzudringen, indem er sie aneinander reiht. Da merkt er denn freilich etwas Störendes.

Die Grundziffern sind doch nicht so bequem. Beispielsweise: wie viel ursprüngliche Erkaltungswärme hat die Erde heute noch? Jene Thermometer-Steigerung beim Eindringen in Bohrlöcher müßte es lehren. Wie verläuft sie? Bei welcher Tiefe müssen wir uns denken, daß sie so hoch wird, daß noch jetzt alle Gesteine im Schmelzfluß sind? Die Angaben über die Steigerung differierten leider. Es gab eine Maximalbehauptung und eine Minimalbehauptung, die sich widersprachen.

Ferner: wie hoch war die Anfangstemperatur der Urerde? Und wie stand es mit der Wärmeleitung der Gesteine? Auch da gab es schwankende Ziffern.

Also beschied sich Thomson, zwei Grenzzahlen zu finden.

Eine, wenn jene Grundziffern so hoch, wie es ihm noch zulässig erschien, angenommen wurden, und eine, wenn sie so tief wie tunlich gesetzt waren.

Das Resultat war jedenfalls interessant.

Thomson errechnete, daß seit Erstarrung der Erdkruste nicht weniger als zwanzig Millionen Jahre verflossen sein könnten, — aber auch nicht mehr als vierhundert Millionen.