Man muß, um seine Stellung andeutend zu fixieren, auf den alten Gegensatz zurückgehen zwischen Lamarck und Darwin, einen Gegensatz, der überhaupt mit den Jahren wieder immer interessanter geworden ist.

Als Darwin sich an den Entwickelungsgedanken wagte, schien es ihm vor allem nötig, ihn aus dem Schutt herauszuarbeiten, in den er mit Lamarck geraten war. Heute haben wir umgekehrt wieder eine feste Schule von Neo-Lamarckisten, die ungefähr etwas Ähnliches von Darwin sagen.

Umgekehrt ist aber auch aus dem immer noch vorsichtigen Darwinschen Vorstoß contra Lamarck eine Lehre erwachsen, die dann erst mit Stumpf und Stiel den letzten Lamarcksrest austreiben möchte. Und das ist die Farbe Weismann im Bilde.

Lamarck hatte eines deutlich erfaßt, und das ist übriggeblieben in allen späteren Meinungen.

In der Entwickelung der Tier- und Pflanzenarten sind zwei Faktoren zu beachten.

Ein äußerer und ein innerer.

Außen wechseln die Bedingungen des Lebens auf Erden. Sie ziehen vorbei wie ein großes Wandelpanorama.

Innen, in den Lebewesen selbst, reagiert aber etwas darauf. Sie passen sich diesen Bedingungen an.

Wie aber ist nun das wahre Verhältnis von drüben und hier? Wir suchen in der Natur Kausalzusammenhänge. Wo sind sie hier?

Lamarck sagte: Außen wirkt auf innen. Die äußeren Bedingungen treten nach innen auf als Forderungen. Und diese Forderungen finden Gehör bei einer Eigenschaft des Innern. Sie rufen „Übung“ hervor. Der Arm, der zum Schlagen gefordert wird, stählt sich, der Hals, der hoch reichen soll, streckt sich. Das Resultat dieser Übung aber wird auf die Nachkommen vererbt. Ihr Arm wächst sogleich muskelstärker, ihr Hals gleich in der nötigen Länge. So fixiert sich die Übung hier bereits als angeborene Anpassung. Und so fort.