Auch wir sind Anpassungsprodukte jener großen Lebensmühle, angepaßt an ganz bestimmte Forderungen des Lebens. Zu diesen Forderungen gehört aber nicht, daß unser Verstand etwas ergrübelt über jene letzten Fragen. Lassen wir also den Versuch, über uns selbst hinausgreifen zu wollen; bescheiden wir uns.

Ich kann diesem Schluß Weismanns nicht zustimmen.

Seit drei Jahrtausenden mindestens besteht eine ganz bestimmte Beziehung zwischen dem Glück grade der edelsten, denkenden, voranschreitenden Menschen und diesem innigen Ringen um die Grundfragen der Philosophie, diesem immer erneuten Ringen um das „du segnest mich denn“ an dieser Stelle.

Das Glück der Menschheit verlangt nicht mehr bloß nach Anpassung an die äußeren Bedingungen der Welt im Sinne einer immer mehr vervollkommneten Technik — fester und fester verspinnt es sich mit jenen Fragen nach Sinn und Wesen der Welt, mit der einfachen Frage der Philosophie.

Es gibt sich nicht mit der Resignation allein zufrieden. In ihr muß der Mensch hungern, wie nur je ein schlecht angepaßtes Tier gehungert hat.

Aber gerade in Weismanns Buch wird so hinreißend deutlich gemacht, wie der Hunger, das Bedürfnis das Ideal, die vollkommnere Anpassung selbst herausgezogen, heranentwickelt hat — damals, bei den Pflanzen und Tieren, so tief da unten.

Und oben bei uns soll das nicht mehr so gehen?

Bei unserem Geisteshunger ...?

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Haeckel hat mit seiner Person zu lange im Brennpunkte des Darwinismus gestanden, um bloß eine Schattierung zu spiegeln. Bei ihm macht man den ganzen Kampf der ersten vier Jahrzehnte auf den Vorposten mit. Für mich hat es vor seinem Buche einen unwillkürlichen Reiz, eigensten Erinnerungen nachzuhängen. Sie haben etwas Charakteristisches, ich weiß, wie vielen in der Generation, die mit Darwin aufgewachsen ist, ich ihre eigenen Erlebnisse erzähle.