Weil ihr Verlauf ein gesetzmäßiger ist, sollte er ein sinnloser sein.
Weil wir eine tiefe Logik der Dinge gewahren, die auch aus einer scheinbar chaotischen Zertrümmerung aller kosmischen Gebilde dennoch immer wieder eine der Harmonie sich annähernde Welt heraufentwickeln würde, sollte der Kosmos in Wahrheit ein Chaos sein.
Weil es die Natur war, die im Menschengeiste sich zu grenzenlosen Herrlichkeiten der Erkenntnis, der Kunst, der Ethik emporgearbeitet hatte, sollten alle diese Errungenschaften plötzlich gleichgültige Seifenblasen eines törichten Spieles sein.
Immerfort hat dieses Jahrhundert dem Menschen einschärfen wollen, daß er in der Natur als seiner umfassenden Idee aufgehe, — aufgehen müsse, weil diese Natur im monistischen Sinne Goethes das wahre All sei, in dem es nicht ein Außen und Innen gebe. Und immer hat dieses gleiche Jahrhundert dem Menschen tatsächlich an den Kopf geworfen, daß er in der Natur unterzugehen habe, unterzugehen wie ein armer Schwimmer, der sich sträubt und sträubt und den der tückische Strudel endlich doch in seinen schwarzen Abgrund saugt.
Und der Erfolg ist Pessimismus gewesen, Pessimismus bis über die Ohren, während draußen alle bunten Triumphraketen der grandiosesten Naturerschließung prasselten.
Ein Mann aber, der sich gewehrt hat gegen diese Definitionen mit aller Kraft seines unsagbar reichen und logischen Geistes, war Fechner.
Es ist äußerst bezeichnend für Fechner, daß er gerade das war, was Goethe Zeit seines Lebens am wenigsten der Anlage nach gewesen ist: exakter Physiker.
Er kam gleichsam aus der engsten Geheimzelle der modernen Naturforschung, vom feinsten Räderwerk des ganzen Getriebes. Bei ihm ist kein Zweifel über richtige Handhabung der Forschungsmethode, kein Zweifel über die Beherrschung der Forschungsresultate seiner Zeit. Wo er als reiner Sachforscher im Detail aufgetreten ist, da hat er sich ausnahmslos den Ruf eines geradezu klassischen Arbeiters erworben. Wer sich die Mühe gibt, auf Eleganz der Methode bei ihm nachzuprüfen, der wird den Verfasser der Elemente der Psychophysik unbefangen neben Gauß, Weber, Faraday und Helmholtz in der Geschichte der modernen Naturforschung stellen können.
Und doch lag Fechners Denker-Ehrgeiz tatsächlich auf einem anderen Gebiete, weit darüber hinaus. Auch er wollte den Naturbegriff selbst reformieren, ihn endlich, angesichts so erdrückenden Naturmaterials der Forschung, zu einem wirklichen Hause umschaffen, in dem sich für den ganzen Menschen wieder wohnen ließ.
Und dieser Fechner ist es, der uns heute, nachdem die Krisis des Begriffs nachgerade wieder einmal fünfzig Jahre gedauert hat, auch erst recht wieder interessiert.