In drei Werken hat er seine Allgemein-Anschauungen niedergelegt, in der Mitte seines Schaffens in „Nanna“ und „Zend-Avesta“, im Alter in der „Tagesansicht gegenüber der Nachtansicht“. Es sind keine leichten Bücher, die man in einer müßigen Stunde wie einen Roman lesen kann. Ich denke aber, die Frage, ob es eine Versöhnung von Optimismus und moderner Naturanschauung geben könne, ist auch nicht die Frage einer müßigen Stunde.

Was Fechner im ganzen versucht hat, das ist eine ungeheure Hilfskonstruktion zu dem Satze: was könnte die „Natur“ doch noch in einem optimistischen, unser Sehnen beruhigenden Sinne sein unter Achtung aller festen oder fest geglaubten Tatsachen und Lehrsätze der exakten Naturforschung von heute?

Es ist bei dieser Stellung der Frage von vornherein klar, daß kein Rückfall mit ihr möglich ist in eine Weltauffassung, die mit diesen Tatsachen und Lehrsätzen noch nicht gerechnet hatte, als sie entstand, und die in der Folge sich nur in erklärtem Widerspruch zu ihnen erhalten hat.

Das unzerstörbare Walten der Logik im Naturgesetz, das jedes „Wunder“ ausschließt; die Einheit aller Dinge Himmels und der Erden im monistischen Sinne ohne jedes „Hinter der Natur“, die den ganzen alten Dualismus und die ganze alte, schlechte Sorte der Metaphysik fortstreicht; das ewige Gebundensein alles Seelischen an einen materiellen Untergrund, mit dem alle Gespensterei und Theorie der stofflich unabhängigen Seelen aufhört: — solche und ähnliche Sätze der Naturforschung sind für Fechner eherne Säulen, die fertig dastehen, ehe er seine ganze Konstruktion anfängt, und bei denen eben jene Achtung in Kraft tritt.

Was er aber behauptet, das ist: daß jenes pessimistische Minotaurusbild, ja auch schon jenes ganz indifferente Bild einer kalten Weltenrechnung ohne inneren Anschlußpunkt für uns, eben selber auch nur eine Hilfskonstruktion innerhalb dieser Säulen sei — und zwar weder die einzige, noch auch die logisch beste.

Im Gegenteil.

Es läßt sich eine optimistische Hilfskonstruktion denken, die dem Harmonie- und Erlösungsbedürfnis des Menschen vollkommen gerecht wird und den Menschen aktiv an die Natur angliedert als den umfassenderen Organismus, ohne daß dabei ein Titelchen verrückt zu werden braucht an jenen Grundsäulen der Forschung. Und es läßt sich gerade diese Hilfskonstruktion innerlich sogar mit einer konsequenteren Logik zwischen diese Säulen einbauen, als es für jene andern denkbar ist. Das ist Fechners wesentlichstes Denkbekenntnis.

Das „Wie“ seiner Konstruktion steht in den drei Büchern. Es läßt sich darüber streiten, und Fechner verlangte, daß man darüber stritt, eventuell ihn widerlegte.

Der Schmerz seines Lebens war, daß man ihn statt dessen totschwieg.

Nie hat er das vollauf berechtigte Gefühl überwunden, daß es sich um Fragen von solcher Heiligkeit, Fragen auf Leben und Tod wie des modernen Menschen, so der modernen Naturforschung, hier handle, daß diese Antwort absolut unwürdig sei.