Es lag dieser Tat aber doch in Wahrheit ein anderer, ein eigener Gedanke zugrunde.
Das achtzehnte Jahrhundert (in diesem Sinne immer jetzt nur als eine lose Annäherung gefaßt an die Jahresziffer) philosophierte abstrakt, träumte, dichtete, phantasierte, lebte und schwelgte in Gefühlswelten.
Alle seine Maßstäbe waren ästhetische.
Seine Naturgeschichte war Naturphilosophie.
Seine soziale Besserungssehnsucht wandelte in Utopien, versenkte sich in mystische Gründe, konstruierte sich eine romantische Geschichte, die nie existiert hat, und baute darauf in die Wolken hinein eine märchenhafte Zukunft.
Immer hat dieses Jahrhundert einen Stich ins Ungemessene, ein Überfliegen der Dinge durch den Gedanken, eine naive Befreiung von der Schwere.
Das neunzehnte Jahrhundert kennt nur einen Maßstab: den technischen.
Sein Blick ist auf einmal kurz, aber auf diese kurze Spanne mikroskopisch scharf.
Sein Boden, seine eigentliche Erdwissenschaft, aus der Antäus Kraft schöpft, ist die Naturgeschichte, aber sie ist jetzt im echten Sinne Naturwissenschaft und nur solche.
Auf ethischem, auf sozialem Gebiete ist es das Jahrhundert der kurzen Programme, die nicht die Welt neuschöpfen wollen, sondern einen einzigen nächsten besseren Schritt eisern ins Auge fassen, ganz nüchtern, — für diese Menschheit, für dieses Leben, für diese Prozentziffer Schlechtigkeit weniger und für diesen konkreten Laib Brot mehr.