Hinter allen Taten dieses Jahrhunderts scheint obenan der Gedanke zu stehen: beschränken wir uns.
Beschränkung ist aber keine Beschränktheit. Man nimmt dem Worte die Spitze, wenn man sich das Wesen jenes Beschränkens aus seinem Kern heraus klar macht.
Das neunzehnte Jahrhundert hat alle seine Siege erfochten im Zeichen der Wirklichkeit.
Dieser Begriff gerade in dem Sinne, wie ihn das Jahrhundert am meisten im Munde geführt hat, kommt aber selbst nur zustande durch eine Beschränkung.
Das muß erfaßt werden, wenn man den Dingen gerecht werden will.
Wir gebrauchen das Wörtchen „wirklich“ gewöhnlich in einer Auffassung, über die ein Zweifel nicht möglich scheint.
Wirklich ist das Blatt, ist der Tisch, auf denen ich diesen Satz schreibe. Wirklich ist die Tapete meines Zimmers, der Ahornbaum vor meinem Fenster, der Schornstein der Fabrik, der darüber vorlugt, der Blitzableiter auf diesem Schornstein, und der Vogel, der eben darüber hin fliegt. Wirklich ist der Atlantische Ozean, ist Amerika, ist die Stadt New-York. Wirklich war einmal im neunzehnten Jahrhundert, einige siebzig Jahre lang, der Darwin, dessen Bild dort an der Wand hängt.
Nicht wirklich ist dagegen die Hallucination des Fieberkranken, die sich als Gestalt im Zimmer dort bewegt, einen bestimmten Teil der Tapete dort ihm verdeckt, menschliche Worte zu ihm spricht. Nicht wirklich sind die Sirenen und Cyklopen der homerischen Gesänge. Niemals wirklich war die Traumlandschaft, in der ich heute Nacht im Schlafe unwirkliche Abenteuer ausgefochten habe. Niemals wirklich waren Faust und Gretchen.
Es ist diese Wirklichkeit sans phrase, auf deren Ergründung, deren Wiedergabe die ganze Forschung, die ganze Naturforschung beruht.
Und es ist jene Unwirklichkeit, deren Ausmerzung bis in den heikelsten Schlupfwinkel hinein ebenso sehr Ziel und Bedingung dieser Forschung ist.