Aber war es nicht doch die nackte Existenz des Subjektiven in der großen Menschheitsrechnung gewesen, die den Anlaß gab, daß dergleichen überhaupt in Szene treten konnte?!

Jede Zeit hat ihren Versucher, der als kleines Schlänglein hinter dem Apfelbaume hervorkriecht. Für das neunzehnte Jahrhundert steckte er in dieser harmlosen Frage. Es kroch eigentümliche Wege, das Schlängelchen, aber mit der ganzen schwarzen Teufelslogik.

Alles Subjektive, das nicht in das Gemeinsame paßte, war also tauber Schuß, Rankenwerk, das besser abgeschnitten wurde.

Man vergaß, daß das Subjektive tatsächlich der große Nährboden war, aus dem alles zunächst einmal wuchs und gewachsen war, auch das „Wirkliche“.

Man vergaß, daß dieses Wirkliche in keinem Moment etwas Absolutes war, sondern unablässig nur ein schwankendes Lichtfeld innerhalb der subjektiven Erlebnisse bildete, in das beständig Neues aus der subjektiven Masse einwuchs und aus dem schon Aufgenommenes beständig wieder austrat.

Man vergaß, daß man im Subjektiven den wahren seelischen Boden berührte, der dem Antäus die Mutterkraft gab — während das „Wirkliche“ sich immerzu einem rein objektiven Werte näherte, für den man in dem Denken wenigstens, das das neunzehnte Jahrhundert nach seiner großen Religionskrisis beherrschte, keinerlei höhere seelische Einheit zur Verfügung hatte.

In der ganzen zweiten Hälfte des Jahrhunderts sinkt in der allgemeinen Auffassung des Menschen überall das Individuum.

Die „Wirklichkeit“, dieses Gemeinsame der Individuen, gewinnt einen Zug, bei dem das Einzelne als das sozusagen Überflüssige erscheint.

Sie umfaßt es.

Eine Null ist es schließlich vor ihr. Seit man seine Geschichte mit Werten in ihr belegen kann, scheint sie von allen Seiten ganz um ihn herumgewachsen zu sein.