Diese Lombrosos waren keine Graalsritter. Sie waren nicht einmal edle Don Quixotes. Sie waren Hampelmännchen, Liliputchen, die den schlafenden Riesen zu fesseln meinten, indem sie an jedes Haar ein spinnwebedünnes Seil banden.
Nicht ihre Handlung gab den Ausschlag, sondern die des Riesen selbst.
Es war nämlich ein ungeheuerlich viel größeres Schauspiel, als eines Tages die Kunst selber sich ergriffen zu zeigen schien von den neuen Schätzungen, den neuen Werten.
Sie paktierte nicht mit den Lombrosos der Theorie — aber sie paktierte mit der Zeit, mit der Praxis, die auch diese Lombrosos trug.
Der Riese, dessen Befreiung von den lächerlichen Haarseilchen nur ein Ruck war, ein ärgerliches Kopfschütteln — er öffnete auf einmal selbst seine Jacke und bot sein Herz.
Die Kunst selber stellte sich Auge in Auge mit der „Wirklichkeit“ und allem, was daran hing.
Und das jetzt wurde ein wirklich entscheidender Moment in der Entwickelung dieses Jahrhunderts selbst.
Die ausübende Kunst stand praktisch damals am Ende einer Krisis.
Es ist gar kein Zweifel, und ich finde, daß es auf alle Kulturländer im großen trifft: jenes langsame allgemeine Absinken der ästhetischen Epoche im neunzehnten Jahrhundert war Hand in Hand gegangen mit einem Wellental auch der unmittelbaren künstlerischen Kraft selbst.
So etwas ist schwer in Bausch und Bogen zu beweisen. Im Detail lassen sich hundert kräftige Sachen aus allen Kunstgebieten dagegen stellen. Aber es ist doch etwas daran wahr, das jeder sehen muß, der Höhenschau hat.