Vor der Kunstepoche, die überall, in der Malerei so gut wie in der Dichtung, die Epoche des Naturalismus heißt, liegt eine Einbiegung der Kurve, eine Epoche der Lähmung, des Tastens, des Zweifels, des bewußten teils und teils des unbewußten Epigonentums. Die Kraft versagt natürlich nicht ohne weiteres. Aber sie erscheint verzettelt, es fehlt die Frische des Entwickelungsbewußtseins, es fehlen all die lieben, grünen, aber triebkräftigen Symptome der Jugend.

In unserer deutschen Dichtung war es die Zeit, die, wie sie sagte, sich gedrückt fühlte durch Goethes Riesengestalt, die sich um Goethes Größe willen als Epigonenzeit fühlte — und die doch ebendadurch charakterisiert war, daß sie Goethe am wenigsten kannte und seine wahre „Nachfolge“ immer mehr zu vergessen schien.

Es war in vieler Hinsicht eine kunstvergeudete Zeit, und es bedeutete ein Aufatmen, als sie, dank einer neue Generation, aufhörte.

Aber nun grade kam das ganz Sonderbare.

Diese neue Generation, geschwellt von frischer Tatkraft, war gesäet und aufgesproßt schon mitten im neunzehnten Jahrhundert. Dieses Jahrhundert in seiner ganzen Glorie wuchs über ihr. Es hatte sie und es ließ sie nicht.

Und im Moment, da sie die nackten Prachtarme recken wollte, schmetterte es sie nieder mit seinem Generalworte: Wirklichkeit!

In ihrem ganzen Königsmantel stand die Zeit da.

Eine neue Zeit, mit Erfolgen, von denen der ganze uralte Palmbaum der Menschheit bis in seine Wurzel bebte.

Und das vor einer Kunst, die nach Neuem sich mit der Inbrunst erwachenden Frühlings, schleierloser Liebe sehnte.

Was tun?