Die Kunst hat Somnambulenaugen.
Sie sah nicht bloß schwirrende Räder, sie sah den Dingen ins Herz.
Sie sah die neue Weltanschauung.
In dieser Weltanschauung raste ein furchtbares seelenloses Grundwesen dahin, eine menschenfressende Maschine: die „Wirklichkeit“. Die einzelnen Menschen waren bloß noch Glasplättchen, die diese Maschinerie spiegelten, nichts weiter. Heute herausgestellt, daß sie blitzten; morgen zersplittert. Was war in diesem Schauspiele die Kunst?
In dieser jungen Künstlerschaft voll gährender Kraft war von Anfang an gewiß keine Stätte für Lombroserei. Man glaubte hier an die Größe der Kunst, wenn je. Groß war sie, wie der Mensch selbst. An der Spitze der Menschheit ging der schaffende Künstler, mit dem Banner dieser Menschheit in der Faust.
Aber wenn nun der Mensch, wenn die ganze Menschheit nichts andres war als ein bloßes Spiegelplättchen eines objektiven Mechanismus, ein Spiegelchen vor einer ungeheuren kollernden, keuchenden Maschine ... mochte die Kunst triumphieren im Menschen von Pol zu Pol seiner Existenz: mehr als der Mensch konnte sie doch nicht sein!
Und so sank auch der Genius der Kunst in dem Augenblicke, da er seine Flügel ganz herumwarf um diesen Menschen, ihn umfing, ihn durchdrang wie eine Geliebte im äußersten Besitz: so sank auch er herab zur Rolle bloß noch eines Spiegelchens vor diesem Allmechanismus.
In dieser Stunde und vor diesem Gedanken ist nicht die Lombroserei, sondern die wirkliche künstlerische Idee in echten Künstlerköpfen geboren worden, daß die Kunst sich zu erschöpfen habe in der einfachen Wiedergabe der Wirklichkeit.
Die Kunst ist degradiert worden zu einer Kopistin dieser „Wirklichkeit“.
Aus einem Schöpfer, einem Entwickelungsfaktor der Welt zu einem Spiegel.