Nur diese Gesetzmäßigkeit aller, aber auch absolut aller Vorgänge der Welt hat uns, wenn noch in beschränktem Maße, so doch anwachsend mit jedem Tage, zum Herrn so vieler Naturprozesse werden lassen. Dieser ungeheuren schlechterdings untrüglichen Ehrlichkeit der Natur verdanken wir alle Erfolge unserer Technik. Kein Zündhölzchen zünden wir an, kein Haus steht, kein Schiff fährt ohne diese Verläßlichkeit der Natur.
Und doch!
In uns Menschen arbeitet sinnfällig noch etwas über diesem Prinzip.
Ein geliebter Mensch beugt sich zu weit über das Fensterbrett und stürzt ab. Er muß stürzen nach dem Naturgesetz der Schwere. Er stürzt, weil Logik gilt; er stürzt, weil A = A ist. Sein Einsatz, seine Schuld war das Hinauslehnen. Die Naturgesetzlichkeit vollzieht das absolute „Muß“, den Lohn: er stürzt und liegt zerschmettert da. Unerbittlich.
Wir aber fragen: konnte diese Schuld nicht vergeben werden?
Unser Herz ringt gegen dieses „Muß“, es ist uns auf einmal etwas Furchtbares, scheint uns entsetzlich vor solchem Falle.
Wenn wir zu entscheiden gehabt hätten: unser ganzes bestes Inneres hätte sich aufgelehnt gegen diese furchtbare Konsequenz, tausend Stimmen des Mitleides, der Solidarität von Mensch und Mensch hätten sich erhoben in uns, unser ganzes höchstes sittliches Empfinden hätte gerufen „Nein!“
Und doch sind auch wir Natur.
Aber das macht: in uns Menschen ist schon ein zweites Prinzip.
Die Liebe.