Solange die Menschheit jetzt über sich nachdenkt und Ideen darüber schriftlich niedergelegt hat, ist sie immer auf diesen fernen Zielgedanken hinausgekommen einer gesetzmäßigen Welt, aber mit einer obersten Leiterin in dieser Gesetzmäßigkeit: der Liebe. Die Gesetzmäßigkeit sorgend für die ewig Fortwirkung jeder Ursache. Aber die Liebe das erste „Daß“ setzend, von dem alle diese Fortwirkungen ausstrahlen.

Unsagbar aber hat sich der Gedanke abgequält mit der Tatsache, daß offenbar dieses Ideal heute noch nicht erfüllt sei.

Ungeheure Ketten solcher naturgesetzlichen Folgerichtigkeit liefen auf höchste Unlust, auf das Gegenteil aller Liebesforderung hinaus.

Man stieß eben gegen den Sachverhalt, daß wir erst im Werden der zweiten Stufe stehen, daß hinter uns nicht die Liebe, sondern die Stufe des wahllosen Muß steht, während erst vor uns, in der Ferne und durch uns in endlosester Projektion, die wahre Aufhebung dieses Muß in die Liebe steht.

Schließlich hat aber auch an den verschiedensten Stellen das unentwegte Grübeln auf die Zukunftshoffnung geführt: auf die Idee einer Seligkeit in einer Ferne der Zeit, am „Ende der Dinge“, am „jüngsten Tag“, im „Nirwana“, und wie die Worte lauten mochten.

Auch das ist der grübelnden Menschheit immer und immer wieder klar geworden: ihre seltsame Zwitterstellung halb scheinbar mit der „Natur“, halb gegen die „Natur“.

Es waren die zwei Stufen der Natur, die in ihr rangen: die Raupe, die unter quälendem Schmerz sich selber als Puppe gebären soll.

Abwechselnd fühlte der Mensch sich Herr der Natur und gefressen von der Natur. Heute liebend, geliebt, die Wunden heilend, die Beladenen aufrichtend, die Dinge regierend nach seiner Seligkeitssehnsucht, die alle gleich beglücken, verklären sollte. Morgen in Krankheit, die jäh aus seinem Innern fraß, vom Dämon besessen, unter Leichen hinstürzend, tausendfach im Bann völlig unverständlicher, unbeherrschbarer, unberechenbarer „Notwendigkeiten“, die einfach blind, gefühllos ihre Bahn abklapperten.

Und der Bedrängte, Ratlose konstruierte in der Not einen ewigen Gegensatz der Dinge: hier das „Ich“, Liebe setzend, einiges vollbringend, aber dann wieder ohnmächtig, — dort „die Natur“, die weltengroße kalte Muß-Maschine, die um der Konsequenz der heiligen Logik willen alle Gefühle und Sehnsuchten zermalmte.

Auch hier war das Symptom erfaßt, — bloß der Sinn hinkte.