Sie sind dem lebenden Geschöpf im Lebenskampfe ausgesprochen nützlich, z. B. wenn ein Laubfrosch, der auf grünen Blättern lebt, grün ist. Zur Verteidigung der Zuchtwahl-Theorie im ganzen sind diese Fälle stets sehr hell beleuchtet worden und kein Mensch mit gesunden Sinnen kann auch wirklich leugnen, daß sie Legion sind und für ihr Teil alles beweisen, was die kühnste Theorie hier verlangen kann.

Die zweite Gruppe bilden auch daneben nicht etwa umgekehrt Nichtanpassungen im Sinne von offenbaren Schädlichkeiten, groben Unzweckmäßigkeiten. Wo solche auffällig beständen, da könnte man ja sagen, die ganze Anpassungs-Idee sei unmöglich — aber man könnte wohl ebenso sicher sagen, das Tier oder die Pflanze mit solchem Selbstgift der angeborenen Unzweckmäßigkeit sei unmöglich.

Was aber nicht unmöglich ist, vielmehr ebenso tausendfältig wie die Schutzanpassungen uns vor Augen steht, das ist die Existenz von völlig indifferenten Merkmalen, bei allen Tier- und Pflanzenarten, — Merkmalen, die schlechterdings mit Schutz im Lebenskampfe nichts zu tun haben — und die doch da sind.

Eine Tiersorte, die auf grünen Blättern lebt, sei im ganzen grün. Gut, das ist die Schutzseite. Aber jetzt spaltet diese grüne Tiersorte sich noch wieder in eine Portion Einzelarten, die sich durch allerhand kleine, meist von fern so gut wie garnicht sichtbare Merkmale voneinander unterscheiden, — Merkmale, die mit Anpassung auch im weitesten Sinne unbedingt nichts zu tun haben, sondern in Hinsicht auf sie reinweg wie Spielereien der Natur, wie ein unabhängiges Durchproben von hundert indifferenten Möglichkeiten jenseits von Schutz und Nichtschutz sich ausnehmen. Bei unserer systematischen Trennung der einzelnen Arten spielen diese Merkmale vielfältig die Hauptrolle. Und doch finden wir keinen „Zweck“ in ihnen vom Boden der Anpassungstheorie.

Wie ist es nun gekommen, daß sie sich überhaupt erhalten konnten, fixieren konnten, wenn alle Eigenschaften der Tiere und Pflanzen erst durch die Anpassungsmaschine des Daseinskampfes aus kleinen Plus- und Minus-Varianten langsam heraufgezüchtet worden sind?

Diese Maschine hatte ja nicht das leiseste Interesse an irgend einem vom Schutzzweck aus indifferenten Plus oder Minus. Wie konnte es dennoch dahin kommen, daß solche Merkmale konstant wurden, ja sich schließlich dem Systematiker gradezu strenger aufdrängten als die Anpassungssachen?

Darwin suchte vor dieser Frage in allen Jahren seines Hauptschaffens nach Auswegen, kühn und ehrlich mit dem Blick auf den Tatsachen.

Einen Teil jener Merkmale, gewisse rhythmische Gebilde besonders in Farben und Formen, schob er bei den höheren Tieren auf den Schönheitssinn bei der Liebeswahl, er führte seine sogenannte „geschlechtliche Zuchtwahl“ ins Spiel. Er wußte selbst, daß er damit nur einen ganz bestimmten Ausschnitt packte, niemals die Hauptsache, um die es ging.

Dann betonte er scharfsinnig ein Gesetz, daß, wenn ein Merkmal bei einer Tierart so und so durch Züchtung werde, so und so viel andere Merkmale sich auf Grund eines geheimen Zusammenhangs, der aber nicht im Schutzzweck lag, mit veränderten, — das sogenannte „Gesetz der Korrelation“. Wurde ein Tier aus Schutzzwecken grün, so konnte das eine Portion anderer Merkmale an ihm erwecken, die an sich nichts mit Grün und Schutz zu tun hatten, aber so lange der Art verbleiben mußten, wie sie grün blieb.

Aber auch das traf nur gewisse Einzelfälle, in der Masse aber versagte es, — ganz abgesehen noch davon, daß es ein „Gesetz“ mit ganz dunklen Faktoren in sich war. Unzählige Arten waren sämtlich aus Schutzzwecken grün und hatten dabei erst recht nicht alle übrigen Artmerkmale gemeinsam und gleich bekommen, sondern sie waren grade sonst so verschieden, daß man sie als selbständige Arten zählte.