Ein ununterbrochener Stammbaum der Entwicklung verknüpft die Tier- und Pflanzenformen. Gewisse ältere Formen sind gelegentlich ausgestorben, aber niemals durch allgemein vernichtende Katastrophen, sondern langsam durch besondere irdische Einzelursachen.

Einzelne unserer bekanntesten Tiergattungen, zum Beispiel der Igel, leben heute schon mindestens zwei Millionen Jahre lang unverändert auf der Erde fort, in ungezählten gleichzeitigen Exemplaren und unfaßbar vielen einander folgenden Generationen, auf Riesengebieten dieser Erde. Der Mensch selber ist offenbar eine solche zähe Gattung. Auf einigen Klippen der neuseeländischen Küste haust aber gegenwärtig sogar noch einer der alten Saurier der Triaszeit, die sogenannte Brückeneidechse; sein Alter muß nach Dutzenden von Millionen eingeschätzt werden. Ebenso alt ist der australische Molchfisch Ceratodus. Das wurmähnliche Schaltier Lingula aber lebte in gleicher Gattung schon in jener algonkisch-kambrischen Urepoche, die hundert Millionen Jahre hinter uns zurückliegt.

In der ungestörten Ruhe dieser geologischen Epochen von schier endloser Ausdehnung haben jene Steinkohlenwälder und später jene Braunkohlenwälder in unendlicher Generationenfolge gegrünt, deren Reste wir heute als Brennmaterial verwerten: sie alle sind nicht durch Kometen verbrannt worden, sondern am Fleck selbst vertorft und versteint in reinen Friedensprozessen. Korallentiere und Kalkalgen haben in absoluter Friedensarbeit Riffe aufgehäuft, die wir jetzt als die Dolomitalpen bestaunen.

Hundert und mehr Millionen Jahre! Eine so ungeheure, erdrückende Wahrscheinlichkeit von Kometen-Karambolagen in solcher Zeit! Und dann doch keine leiseste Spur einer störenden, katastrophenhaften Wirkung im feinsten, zartesten Erdleben in all diesen Zeiträumen!!

Dieser Indizienbeweis ist erst unser heutiger Besitz. In jenem letzten Halley-Jahre 1835 glaubten noch fast alle Geologen tatsächlich an eine ganze Reihe periodisch wiederholter, entsetzlicher Katastrophen in der Erdgeschichte.

Immer einmal wieder alle paar tausend Jahre sollte die gesamte Erdoberfläche einen entsetzlichen Chok durchgemacht haben. Alle Lebewesen waren dabei vertilgt worden. Auf dem durch und durch gereinigten, sterilisierten Plan hatte dann eine unbegreifliche Neuschöpfung stattgefunden. Nie hatte eine Tier- oder Pflanzenform sich lebend über eine solche Katastrophe fort in die nächste geologische Epoche gerettet. Das letzte große Reinmachen dieser Art hatte die Mammute vernichtet. Menschen konnte es mit denen zugleich also noch nicht gegeben haben, denn der Mensch lebte ja noch. Er war ein erst einige Jahrtausende altes fix und fertiges Neuprodukt des nachdiluvialen Schöpfungstages.

Wie nahe lag es bei solchen Annahmen (die, wie gesagt, um 1835 noch von fast allen Fachautoritäten auf allen Lehrstühlen der Geologie vertreten wurden) an wirkliche Kometenstöße zu denken. Was konnte billiger die lebentötenden Sintfluten, Feuerschrecken, Giftgase hergeben, die der Geolog so verschwenderisch brauchte!

Heute klingt uns das alles aber nur noch wie ein amüsantes Märchen. Die neuerwachende Geologie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat mit all dem Spuk mehr als gründlich aufgeräumt. Die Entwicklungslehre Darwins hat sich mit ihr verbündet, die Gespenster jener Katastrophen auszuräuchern bis zum letzten Schatten. Von hier ist kein Material mehr zu holen, nie mehr.

Geschweige, daß Kometen dem Leben auf den Kopf gefallen sind und etwa die Mammute totgeschlagen haben (die der Mensch selber in Masse gejagt, gegessen, abgezeichnet hat, die Bilder besitzen wir noch von seiner Hand), läßt sich nicht einmal geologisch in all den Zeiten auch nur ein verstärktes Fallen jener kleinen gelegentlichen Meteorsteine irgendwo nachweisen. Einmal hat es in junger geologischer Epoche an mehreren Orten kleine meteorische Glassplitter geregnet, die wir als sogenannte Moldavite dort finden. Vielleicht ist ein größerer Glasmeteorit damals an unserer Erdatmosphäre zerplatzt. Aber er ist eben zerplatzt ohne irgendeinen Stoßschaden zu tun; mit ein paar Glasscherben schlägt man das irdische Leben nicht entzwei, das so viel Vulkanausbrüchen unserer Erde selber ruhig getrotzt hat in den Jahrmillionen seiner Existenz.

Für mein Gefühl ist dieser Indizienbeweis gegen die Gefährlichkeit der Kometen allein genügend, um das ganze Spiel im wesentlichsten für gewonnen zu erklären.