Zunächst haben wir einen geradezu durchschlagenden Indizienbeweis in diesen letzten siebeneinhalb Jahrzehnten bekommen, einen Indizienbeweis: daß die Begegnung mit Kometen unmöglich so gefährlich sein kann, wie die nächste Phantasie sie sich ausgemalt hatte. Folgendes der einfache Gedankengang, dessen Logik auch jeder Laie nachprüfen kann.

Man kennt gegenwärtig etwa achthundert ungefähr beglaubigte Kometenerscheinungen. Dabei haben wir erst seit dreihundert Jahren Fernrohre und kaum viel länger ernsthafte astronomische Aufzeichnungen zum Zweck. Wie rasch sich bei systematischem Suchen mit dem Rohr die Zahl vermehren läßt, zeigen einzelne fleißige Beobachter, die als professionierte »Kometenjäger« allein ein bis drei Dutzend aufgefunden haben. Dabei kann es sich aber stets und auch bei emsigster Jagd nur um die Kometen des Systems handeln, die uns überhaupt so nahe kommen, daß man sie von der Erde sehen kann. Eine sehr mäßige Wahrscheinlichkeitsschätzung würde für unser ganzes Planetenbereich jederzeit etwa rund 6000 als vorhanden aus jener Sichtbarkeitsziffer für unsere zufällige Erdlage ableiten.

Die Wahrscheinlichkeitsziffer der fremden Passanten, die in unser System hineinsausen, um es bloß einmal zu schneiden und gleich wieder zu verlassen, kommt schon bei noch nicht zehntausend Jahren auf eine volle Million.

Bei solcher Sachlage ist es nicht mehr nur eine Möglichkeit, sondern es ist einfach eine Forderung, daß im Laufe auch nur kurzer Zeiträume Planeten mit Kometen zusammentreffen müssen.

Bei den inneren Planeten muß das Durchpassieren durch die ungeheuren Schwänze schlechterdings etwas Gewöhnliches sein, sobald wir den Dingen auch nur etwas Geschichtsperspektive geben.

Und auch die Erde kann sich dieser schlichten Ziffernotwendigkeit nicht entziehen. Wie sie heute eine Schwanzberührung erlebt, so muß sie es historisch schon soundso oft erlebt haben. Schon für die letzten hundert Jahre ist es bei der Bahnlage einzelner Kometen und der Riesigkeit ihrer um die Sonne geschleiften Schwänze fast nicht zu glauben, daß die Sache selbst da schon ohne Schwanzkarambolage abgegangen sein solle. Was sind aber hundert und tausend, was sind selbst zehntausend Jahre in der Erdgeschichte!

Man ist noch nicht einmal aus der zusammenhängenden orientalischen Kultur damit. Dahinter aber kommen erst die eigentlichen Geschichtsziffern, die imponieren. Ein mehrfaches jener zehn führt erst etwa auf die prähistorischen Magdalenier im Vezère-Tal in Südfrankreich, die schon eine hohe Kunstblüte hatten. Jahrhunderttausende kommen mindestens auf die Eiszeit, die damals schon zu Ende ging. Wenn der Mensch, wie gewisse bearbeitete Steine (Eolithen) noch zu beweisen scheinen, mit Anfängen der Kultur bis in die mittlere Tertiärzeit reicht, so gibt das mehr als eine Million Jahre gesamtes Kulturalter. Das wahre Entstehungsalter des Menschen wird dann bei zwei Millionen liegen. Die geringste Schätzung für das Gesamtalter der geologischen Schichten unserer Erdrinde, aus denen wir noch erhaltene Lebensspuren entnehmen können, ergibt aber hundert Millionen Jahre. An ihrem Ausgangspunkt, in den algonkisch-kambrischen Schichten, tauchen jedoch schon so hohe Lebensformen auf, daß wir noch einen vielleicht ebenso langen Zeitraum davor annehmen müssen.

In diesen ganzen ungeheuren Geschichtsräumen fehlt uns nun aber jede Andeutung einer Katastrophe der früher geschilderten Art, wie sie aus dem Zusammenstoß der Erde mit einem umfangreichen anderen Weltkörper notwendig hervorgehen müßte.

Niemals ist die Erdoberfläche darin ganz von Wassern überflutet, niemals mit kompaktem Basalt übergossen, niemals durch plötzliche Gluthitze sterilisiert worden, und niemals ist die Atmosphäre vergiftet worden, so daß das zarte Häutchen des Lebens eingehen mußte. Kontinuierlich vielmehr ist dieses Leben in all jenen Jahrmillionen!

Unablässig hat es sich durch die Geschlechterfolgen weitergegeben, ohne Riß im ganzen.