Inzwischen ist in neuester Zeit aber noch eine andere sinnreiche Erklärung aufgetaucht, wie man sich bei Annahme ungemein winziger und zerstreuter Teilchen eine solche Abstoßung auch in größter Sonnennähe vorstellen könnte.

Die Schweifmaterie, sagte ich, erscheint so fein und so weitmaschig verpulvert, daß sie durchströmendes Sternenlicht für uns nicht ablenken kann. Aber es fragt sich, ob sie selber gerade in solchem Zustande nicht durch das Licht, das Sonnenlicht in ihrer Sonnennähe, dahingetrieben werden müßte.

Ein ganz alter Kometengedanke kommt hier noch einmal zu Ehren, den fast drei Jahrhunderte Physik verschüttet hatten. Der Satz, den Seneca schon schreibt: »Die Kometenschweife fliehen vor den Sonnenstrahlen«, hatte dem großen Kepler zu denken gegeben. Konnten es nicht die Lichtstrahlen der Sonne selber sein, die den Schweif vor sich herjagten?

Nach der Physik jener Zeit war das »Licht« etwas Körperliches in dem Sinne, daß von der Lichtquelle aus dabei beständig wirkliche winzige Körperchen in den Raum hinausgeschleudert wurden. Jede Kerzenflamme bombardierte uns so mit ihren Lichtkörperchen. Die große Sonne aber entsandte fortgesetzt einen wahren Hagel dieser Art um sich her. Wo diese Körperchen auf einen Widerstand, auf andere, entgegenstehende Körper stießen, da mußten sie prallend einen Stoß, einen Druck ausüben.

Nun, sie waren winzig. Bei irgendwie größeren Dingen im Raum konnte dieses liliputanische Lichthändchen nicht viel wollen. Wenn ich meine Hand einer Kerzenflamme näherte, so fühlte ich den Lichtgegendruck gar nicht, geschweige denn, daß er meine Hand beiseite drücken könnte. Aber wenn man sich entsprechend winzige Einzelkörperchen, etwa ganz, ganz feinen Staub, dachte, auf die einzeln grade so ein Lichtteilchen anprallen konnte, so war doch recht gut denkbar, daß diesmal das Stäubchen vor dem Stäubchen wirklich etwas rückwärts wich.

Nun hielt Kepler zwar den Kometen schon für ein kosmisches Gebilde, aber doch für eine recht lose Wolke. Und wenn nun von dieser Wolke ein Teil im Schweif wirklich gerade vor den Sonnenlichtstrahlen zu fliehen begann: warum sollte es sich da nicht um allerfeinste Teilchen dieser Kometenwolke handeln, die wirklich und wahrhaftig von dem feinen Hagel der Lichtkörperchen dieser Sonne in die Flucht geschlagen wurden? Klein, sehr klein müßten die Kometenteilchen ja dann wohl sein; aber sonst ging die Sache unverkennbar nett, vorausgesetzt, die Lichttheorie mit ihren Körperchen war richtig.

Allerdings war die Gravitationslehre damals noch nicht wissenschaftlich scharf entwickelt, man übersah die Macht selbst noch nicht genügend, der diese Wirkung die Stange halten sollte. Das sollte erst Newton nachholen. Newton selbst aber war wieder der Keplerschen Idee nicht hold, obwohl er an der Lichttheorie in dieser Form noch festhielt.

Wenig später fiel aber dann auch diese ganze Lichttheorie dahin: man faßte das Licht jetzt überhaupt nicht mehr als ein Aussprudeln eigener Lichtkörperchen, sondern entschied sich für eine Wellenbewegung im Äther. Und damit schien der alte Gedanke völlig antiquiert. Ein solches Wellenschaukeln konnte wohl nichts von der Stelle rücken, auch das kleinste Stäubchen nicht.

Euler war der einzige, der im 18. Jahrhundert warnte. Irgendeinen Druck, meinte er, müßten doch auch solche Lichtwellen ausüben. Es sollte aber noch weit über hundert Jahre dauern, bis einer auch nur darauf wieder zurückkam.

Maxwell tat es tief im 19. Jahrhundert, bei Gelegenheit seiner Revision der ganzen Wellenlehre. Auch ihm schien die Annahme eines solchen »Strahlungsdrucks« wieder unvermeidlich, doch hielt er ihn noch für unmeßbar winzig, so daß auch jetzt die alten Fragen noch nicht wieder eigentlich akut wurden.