Mancherlei Perspektiven könnten hier auftauchen, die trotz der grenzenlosen Raumesöden, die Sonne und Planeten, Sonnen und andere Sonnen trennen, ein beständiges geheimes Hin- und Herfluten kleinster Stoffteilchen denkbar machen.

Immer freilich gilt die Transportmöglichkeit nur von sehr kleinen Stäubchen. Durch Verminderung des Gewichts (z. B. für allerzarteste Rußflöckchen) könnte man sie noch beweglicher machen. Aber der minimale Durchmesser müßte bleiben. An Körperchen vom Durchmesser eines solchen Sechstausendstels eines Millimeters wären 470 Billionen nötig, um auch nur ein Kubikzentimeter Wasser zu bilden. Immerhin wäre man noch nicht auf der Grenze der Moleküle. So weit dürfte man aber auch gar nicht gehen. Denn ein Molekül ist so winzig, daß das Händchen des Lichtes (bildlich gesprochen) es gar nicht mehr umfassen kann. Dort versagt also der Strahlungsdruck von neuem: reine Moleküle fallen nach der Gravitation genau so wie schwerere Staubteilchen.

Von hier ist nun bloß ein einfacher Schritt (und Arrhenius hat ihn sofort selbst getan), um auf die alte Grundidee Keplers vor den Kometenschweifen zurückzukommen.

Die meteorische Kernwolke des Kometen folgt der Gravitation, stürzt also gegen die Sonne. Eine gewisse Auslese ihrer losen Stoffteilchen aber, die gerade jener kritischen Größe entspricht, wird, je näher das Ganze der Sonne kommt, immer energischer vom Strahlungsdruck dieser Sonne erfaßt und als Schweif umgekehrt aus der Hauptmasse fortgetrieben werden müssen.

Arrhenius denkt in der größeren Kernnähe und bei den kürzeren Schweifen besonders an vereinzelt schwebende Kohlenwasserstofftröpfchen der angesetzten Größe. Bei ihrer Kondensierung sollen elektrische Prozesse, die als solche wieder die Sonne in der Kometenwolke erzeugt, mitwirken, also die gleichen Vorgänge, in deren Gefolge dann auch die abwirbelnde Schweifmaterie noch auf weite, weite Strecken hin wie phosphoreszierend aufglimmt. Für die ganz langen, schier endlosen Schweife dagegen nimmt er nur noch feinste Rußteilchen als eigentliches Objekt des Strahlungsdruckes an, die durch Verkohlung solcher Kohlenwasserstofftröpfchen entstanden sind und bei einem überaus geringen Gewicht mit einer Abstoßungskraft dahinbewegt werden können, die die Schwerewirkung der Sonne um das Vierzigfache übertrifft.

Vor Jahren schon und ohne jede Rücksicht auf die Idee des Strahlungsdrucks hatte nämlich der Astronom Bredichin aus den verschiedenen Schweiflängen der einzelnen Kometen verschiedene Grade der dabei wirkenden Abstoßungskraft zu errechnen gesucht und war dabei für die längsten, am geradlinigsten von der Sonne abgekehrten Schweife auf weit höhere Ziffern als für die kurzen, dicken und sozusagen nur widerwillig gekrümmten gekommen. Ganz folgerichtig riet auch er dabei schon auf verschiedene Substanzen in diesen Abstoßungsklassen, und wenn (wie es wiederholt beobachtet worden ist) ein und derselbe Komet (z. B. der herrliche Donatische von 1858) mehrere ungleich lange und ungleich gerade Schwänze in der Sonnennähe von sich abwirbeln ließ, so schloß er, daß hier verschiedene disponible Kernmaterien sich je nach ihrer verschiedenen Schwere bald mehr, bald weniger dem Abstoßungsdruck entsprechend angeordnet hätten. Das fügte sich jetzt sehr hübsch in Arrhenius' Erklärung ein.

Für unsern praktischen Fall mit dem Halleyschen Kometenschwanz im Mai aber würde es gerade das Entscheidende werden; geht doch hier nicht ein kurzer Kernschweif, sondern gerade recht das fernste Ende eines langen Millionenmeilenschwanzes über uns fort; im Sinne von Arrhenius bekämen wir also wohl nur noch solche allerfeinsten Rußpartikelchen wie vom Schlotqualm eines endlos fern an uns vorbeifahrenden Dampfschiffs ab.

Wie Arrhenius sich die Sache denkt, kann man sich direkt im Experiment vormachen.

In einer nach unsern Kräften luftleer gepumpten Sanduhr (einem alten Stundenglase) läßt man etwas Schmirgelpulver, vermischt mit in Rotglut vorher verkohlten Sporen eines Bovistpilzes von oben nach unten durchlaufen. Gegen den niederrieselnden feinen Staubstrahl richtet man jetzt von der Seite her das durch eine Linse konzentrierte Licht einer elektrischen Bogenlampe. Das schwerere Schmirgelpulver fällt einfach der Gravitation nach abwärts, ohne sich um den Lichtdruck zu kümmern. Die absinkenden Kohlestäubchen dagegen werden eben von diesem Lichtdruck abgelenkt und in langem Schweif zur Seite getrieben. Im engen Bilde erscheint, was der Komet als ungeheures kosmisches Experiment in seinem luftleeren Weltraum uns nach Arrhenius auch nur vormacht! Dem Schmirgel gleich fällt die meteorische Staubmasse des Kernes nach dem Gravitationsgesetz zur Sonne. Die feinen Rußpartikelchen fliehen dagegen unter dem Lichtdruck dieser Sonne als Millionen Meilen langer Schweif dahin.

Auf jeden Fall führen die verschiedensten Wege, wie man sich die Abstoßung denken mag, alle unerläßlich auf eine Schweifmaterie von ganz außerordentlicher Winzigkeit und Zerstreuung des Inhalts.