Tiere als Schützen

Wann ist es gefährlich, in den Garten zu gehen? Wenn die Bäume ausschlagen und die Spargel schießen.

An dieser alten Vexierfrage erfreuen sich immer neue Generationen von Kinderherzen. In gewaltiger Stunde, da Land und Meer vom Donner der wirklichen Geschütze hallen, legt man sich aber wohl einmal die Frage vor, wer zuerst auf dieser unruhigen Erde geschossen hat.

Der Mensch treibt es sicher seit einigen dreißigtausend Jahren: etwa so alt oder noch älter mögen spanische Höhlenbilder sein, auf denen man nackte Jäger der Diluvialzeit riesige Bogen spannen sieht.

Aber der kluge Mensch wiederholte zunächst damals mit seiner ganzen Werkzeugtechnik nur, was die Natur seit undenklichen Zeiten bereits allerhand niederem Tiervolk in Gestalt gewisser Organe und gewisser Instinkte, die diese Organe zu lenken wußten, auf den Leib gezüchtet hatte. Ob nun auf solchen Tierstufen auch schon regelrecht geschossen worden ist?

Der Tierkenner, der etwas in alten Naturgeschichten Bescheid weiß, lächelt bei der Frage trotz allen Ernstes der Zeit, denn er erinnert sich an eine lustige Überlieferung.

Kommt abermals hervor, ihr ehrwürdigen alten Folianten des 16. Jahrhunderts, hinter deren schweinsledernem Panzer in Riesenschrift und mit handkolorierten Holzschnitten die Tierweisheit von damals sich eingekapselt hat mit all ihren köstlichen Märchen. Laut Vater Gesner und seinen Verdeutschern lebte Anno dazumal in Italien offenbar noch ein wahrhaft fürchterliches Geschöpf, das man lieber bei den Greueln der Urwelt gesucht hätte – nämlich das »Dornschwein«.

Von dieses Ungeheuers »natürlicher Anmut und Art«, wie es dort heißt, erfährt man, daß, »so es gejagt wird, so bringt es mit seiner Stimm zuwege, daß alle andern seinesgleichen Dornschwein zusammenrüchlen, ihren Balg erschütten und zu den Hunden und Jägern ganz trutzlich mit ihren Stacheln schießen; ist auch seiner Schüssen ganz und gar gewiß«.