Hier ging mit meinem Aeußern eine stolze Veränderung vor. Ich kriegte die erste Uhr--alt, nach dem Kartoffelsystem--und den ersten Paletot--neu, so schön ihn der Dorfschneider zu bauen vermochte. Mit diesem Paletot, um ihn recht sehen zu lassen, stellt' ich mich gleich am ersten Morgen dicht vor den Schulofen. Eine brenzlichte Wolke und die freudige Theilnahme der Mitschüler ließen mich ahnen, was hinten vor sich ging. Der umfangreiche Schaden wurde kurirt nach der Schnirrmethode, beschämend zu sehn; und nur noch bei äußerster Witterungsnoth ließ sich das einst so prächtige Kleidungsstück auf offener Straße blicken.

In der reinen Mathematik schwang ich mich bis zu "Eins mit Auszeichnung" empor, aber in der angewandten bewegte ich mich mit immer matterem Flügelschlage.

Im Jahre 48 trug auch ich mein gewichtiges Kuhbein, welches nie scharf geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens; zwei Märzerrungenschaften, deren erste muthig bewahrt, deren zweite durch die Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist.

Ein Maler wies mir den Weg nach Düsseldorf. Ich kam, so viel ich weiss, grad zu einem jener Frühlingsfeste, für diesmal die Erstürmung einer Burg, die weithin berühmt waren. Ich war sehr begeistert davon und von dem Maiwein auch.

Nachdem ich mich schlecht und recht durch den Antikensaal hindurch getüpfelt hatte, begab ich mich nach Antwerpen in die Malschule, wo man, so hieß es, die alte Muttersprache der Kunst noch immer erlernen könnte.

In dieser kunstberühmten Stadt sah ich zum ersten Male die Werke alter Meister: Rubens, Brouwer, Teniers, Frans Hals. Ihre göttliche Leichtigkeit der Darstellung malerischer Einfälle, verbunden mit stofflich juwelenhaftem Reiz; diese Unbefangenheit eines guten Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht; diese Farbenmusik, worin man alle Stimmen klar durchhört, vom Grundbaß herauf, haben für immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen.

Ich wohnte am Eck der Käsbrücke bei einem Bartscheerer. Er hieß Jan, seine Frau hieß Mie. In gelinder Abendstunde saß ich mit ihnen vor der Hausthür; im grünen Schlafrock; die Thonpfeife im Munde; und die Nachbarn kamen auch herzu; die Töchter in schwarzlackirten Holzschuhen. Jan und Mie balbirten mich abwechselnd, verpflegten mich während einer Krankheit und schenkten mir beim Abschied in kalter Jahreszeit eine rothe warme Jacke und drei Orangen.

Nach Antwerpen hielt ich mich in der Heimath auf.

Was damals die Leute _ut oler welt_ erzählten, sucht ich mir fleissig zu merken, doch wusst ich leider zu wenig, um zu wissen, was wissenschaftlich bemerkenswerth war. Das Vorspuken eines demnächstigen Feuers hieß: _wabern_. Den Wirbelwind, der auf der Landstraße den Staub auftrichtert, nannte man: _warwind_; es sitzt eine Hexe drin. Uebrigens hörte ich, seit der "alte Fritz" das Hexen verboten hätte, müssten sich die Hexen sehr in acht nehmen mit ihrer Kunst.

Von Märchen wußte das meiste ein alter, stiller, für gewöhnlich wortkarger Mann. Für Spukgeschichten dagegen von bösen Toten, die wiederkommen zum Verdrusse der Lebendigen, war der Schäfer Autorität. Wenn er abends erzählte, lag er quer über dem Bett, und wenn es ihm trocken und öd wurde im Mund, sprang er auf und ging vor den Tischkasten und biß ein neues Endchen Kautaback ab zur Erfrischung. Sein Frauchen sass daneben und spann.