| Der schöne Sommer ging von hinnen, |
| Der Herbst, der reiche zog in's Land. |
| Nun weben all die guten Spinnen |
| So manches feine Festgewand. |
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| Sie weben zu des Tages Feier |
| Mit kunstgeübtem Hinterbein |
| Ganz allerliebste Elfenschleier |
| Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain. |
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| Ja, tausend Silberfäden geben |
| Dem Winde sie zum leichten Spiel, |
| Die ziehen sanft dahin und schweben |
| An's unbewusst bestimmte Ziel. |
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| Sie ziehen in das Wunderländchen, |
| Wo Liebe scheu im Anbeginn, |
| Und leis verknüpft ein zartes Bändchen |
| Den Schäfer mit der Schäferin. |
| Habt ihr denn wirklich keinen Schimmer |
| Von Angst, daß ihr noch ruhig schlaft? |
| Wird denn in dieser Welt nicht immer |
| Das Leben mit dem Tod bestraft? |
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| Ihr lebt vergnügt trotz dem Verhängniß, |
| Das näher stets und näher zieht. |
| So stiehlt der Dieb, dem das Gefängniß |
| Und später gar der Galgen blüht. |
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| Hör auf, entgegnet frech die Jugend, |
| Du altes Jammerinstrument. |
| Man merkt es gleich: du bist die Tugend, |
| Die Keinem sein Vergnügen gönnt. |
| Ein Philosoph von ernster Art |
| Der sprach und strich sich seinen Bart: |
| Ich lache nie. Ich lieb es nicht, |
| Mein ehrenwerthes Angesicht |
| Durch Zähnefletschen zu entstellen |
| Und närrisch wie ein Hund zu bellen; |
| Ich lieb es nicht durch ein Gemecker |
| Zu zeigen, daß ich Witzentdecker; |
| Ich brauche nicht durch Werthvergleichen |
| Mit Andern mich herauszustreichen, |
| Um zu ermessen, was ich bin, |
| Denn dieses weiß ich ohnehin. |
| Das Lachen will ich überlassen |
| Den minder hochbegabten Klassen. |
| Ist einer ohne Selbstvertraun |
| In Gegenwart von schönen Fraun, |
| So daß sie ihn als faden Gecken |
| Abfahren lassen oder necken, |
| Und fühlt er drob geheimen Groll |
| Und weiß nicht, was er sagen soll, |
| Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen |
| Ein unaussprechliches Vergnügen. |
| Und hat er Kursverlust erlitten, |
| Ist er moralisch ausgeglitten, |
| So giebt es Leute, die doch immer |
| Noch dümmer sind als er und schlimmer. |
| Und hat er etwa krumme Beine, |
| So giebt's noch krümmere als seine. |
| Er tröstet sich und lacht darüber |
| Und denkt: Da bin ich mir doch lieber. |
| Den Teufel lass ich aus dem Spiele. |
| Auch sonst noch lachen ihrer Viele, |
| Besonders jene ewig Heitern, |
| Die unbewusst den Mund erweitern. |
| Die so zu sagen, auserkoren |
| Zum Lachen bis an beide Ohren. |
| Sie freuen sich mit Weib und Kind |
| Schon bloß, weil sie vorhanden sind. |
| Ich dahingegen, der ich sitze |
| Auf der Betrachtung höchster Spitze, |
| Weit über allem Was und Wie, |
| Ich bin für mich und lache nie. |
| Was er liebt, ist Keinem fraglich; |
| Triumphirend und behaglich |
| Nimmt es seine Seele ein |
| Und befiehlt: So soll es sein. |
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| Suche nie, wo dies geschehen, |
| Widersprechend vorzugehen, |
| Sintemalen im Gemüth |
| Schon die höchste Macht entschied. |
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| Ungestört in ihren Lauben |
| Lass die Liebe, lass den Glauben, |
| Der, wenn man es recht ermisst, |
| Auch nur lauter Liebe ist. |