| Des morgens früh, sobald ich mir |
| Mein Pfeifchen angezündet, |
| Geh ich hinaus zur Hinterthür, |
| Die in den Garten mündet. |
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| Besonders gern betracht ich dann |
| Die Rosen, die so niedlich; |
| Die Blattlaus sitzt und saugt daran |
| So grün, so still, so friedlich. |
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| Und doch wird sie, so still sie ist, |
| Der Grausamkeit zur Beute; |
| Der Schwebefliegen Larve frißt |
| Sie auf bis auf die Häute. |
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| Schluppwespchen flink und klimperklein, |
| So sehr die Laus sich sträube, |
| Sie legen doch ihr Ei hinein |
| Noch bei lebendgem Leibe. |
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| Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß |
| Durch Eier für Vermehrung; |
| Sie kriegt auch Junge hundertweis |
| Als weitere Bescherung. |
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| Sie nährt sich an dem jungen Schaft |
| Der Rosen, eh sie welken; |
| Ameisen kommen, ihr den Saft |
| Sanft streichelnd abzumelken. |
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| So seh ich in Betriebsamkeit |
| Das hübsche Ungeziefer |
| Und rauche während dieser Zeit |
| Mein Pfeifchen tief und tiefer. |
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| Daß keine Rose ohne Dorn, |
| Bringt mich nicht aus dem Häuschen. |
| Auch sag ich ohne jeden Zorn: |
| Kein Röslein ohne Läuschen! |
| Stoffel hackte mit dem Beile. |
| Dabei that er sich sehr wehe, |
| Denn er traf in aller Eile |
| Ganz genau die große Zehe. |
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| Ohne jedes Schmerzgewimmer, |
| Nur mit Ruh, mit einer festen, |
| Sprach er: Ja, ich sag es immer, |
| Nebenzu trifft man am besten. |
| Die Mutter plagte ein Gedanke. |
| Sie kramt im alten Kleiderschranke, |
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| Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt, |
| Doch friedlich, bei einander hängt. |
| Auf einmal ruft sie: Ei sieh da, |
| Der Schwalbenschwanz, da ist er ja! |
| Den blauen, längst nicht mehr benützten, |
| Den hinten zwiefach zugespitzten, |
| Mit blanken Knöpfen schön geschmückt, |
| Der einst so manches Herz berückt, |
| Ihn trägt sie klug und überlegt |
| Dahin, wo sie zu schneidern pflegt, |
| Und trennt und wendet, näht und misst, |
| Bis daß das Werk vollendet ist. |
| Auf die Art aus des Vaters Fracke |
| Kriegt Fritzchen eine neue Jacke. |
| Grad so behilft sich der Poet. |
| Du liebe Zeit, was soll er machen? |
| Gebraucht sind die Gedankensachen |
| Schon alle, seit die Welt besteht. |
| Im Hochgebirg vor seiner Höhle |
| Saß der Asket; |
| Nur noch ein Rest von Leib und Seele |
| Infolge äußerster Diät. |
| Demüthig ihm zu Füßen kniet |
| Ein Jüngling, der sich längst bemüht, |
| Des strengen Büßers strenge Lehren |
| Nachdenklich prüfend anzuhören. |
| Grad schließt der Klausner den Sermon |
| Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn. |
| Verlass das böse Weltgetriebe. |
| Vor allem unterlass die Liebe, |
| Denn grade sie erweckt auf's Neue |
| Das Leben und mit ihm die Reue. |
| Da schau mich an. Ich bin so leicht, |
| Fast hab ich schon das Nichts erreicht, |
| Und bald verschwind ich in das reine |
| Zeit- raum- und traumlos Allundeine. |
| Als so der Meister in Ekstase, |
| Sticht ihn ein Bienchen in die Nase. |
| Oh, welch ein Schrei! |
| Und dann das Mienenspiel dabei. |
| Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich? |
| Wer solchermaßen leidensfähig, |
| Wer so gefühlvoll und empfindlich, |
| Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich |
| Und stirbt noch nicht zum letzten Mal. |
| Mit diesem kühlen Wort empfahl |
| Der Jüngling sich und stieg hernieder |
| Ins tiefe Thal und kam nicht wieder. |