| Nachbar Nickel ist verdrießlich, |
| Und er darf sich wohl beklagen, |
| Weil ihm seine Pläne schließlich |
| Alle gänzlich fehl geschlagen. |
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| Unsre Ziege starb heut Morgen. |
| Geh und sag's ihm, lieber Knabe! |
| Daß er nach so vielen Sorgen |
| Auch mal eine Freude habe. |
| Er war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte |
| Genügten für die laufenden Geschäfte. |
| Nur hatt er die Marotte, |
| Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern, |
| Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte, |
| Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn. |
| Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte, |
| Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte: |
| Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm. |
| Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum. |
| Ja, sprach der Freund, so sind die Leute. |
| Man hat an einem Papst genug. |
| Du bist der zweite. |
| Das eben kann man nicht vertragen. |
| Hör zu, ich will dir mal was sagen: |
| Wer schweigt, ist klug. |
| Der Narr verstummt, als ob er überlege. |
| Der gute Freund ging leise seiner Wege. |
| Und schau, nach vierzehn Tagen grade |
| Da traf er ihn schon auf der Promenade. |
| Ei, rief der Freund, wo kommst du her? |
| Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr? |
| Freund, sprach der Narr und lächelt schlau, |
| Du scheinst zur Neugier sehr geneigt. |
| Das, was wir sind, weiß ich genau. |
| Wir alle haben unsern Sparren, |
| Doch sagen thun es nur die Narren. |
| Der Weise schweigt. |
| Als Kind von angenehmen Zügen |
| War Röschen ein gar lustig Ding. |
| Gern zupfte sie das Bein der Fliegen, |
| Die sie geschickt mit Spucke fing. |
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| Sie wuchs, und größere Objekte |
| Lockt sie von nun an in ihr Garn, |
| Nicht nur die jungen, nein, sie neckte |
| Und rupft auch manchen alten Narrn. |
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| Inzwischen that in stillem Walten |
| Die Zeit getreulich ihre Pflicht. |
| Durch wundersame Bügelfalten |
| Verziert sie Röschens Angesicht. |
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| Und locker wurden Röschens Zähne. |
| Kein Freier stellte sich mehr ein. |
| Und schließlich kriegt sie gar Migräne, |
| Und die pflegt dauerhaft zu sein. |
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| Dies führte sie zum Aberglauben, |
| Obwohl sie sonst nicht gläubig schien. |
| Sie meinte fest, daß Turteltauben |
| Den Schmerz der Menschen an sich ziehn. |
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| Zwei Stück davon hat sie im Bauer, |
| Ein Pärchen, welches zärtlich girrt; |
| Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer, |
| Ob ihnen noch nicht übel wird. |
| Ein Dornstrauch stand im Wiesenthal, |
| An einer Stiege, welche schmal, |
| Und ging vorüber irgend wer, |
| Den griff er an und kratzte er. |
| Ein Lämmlein kam daher gehupft. |
| Das hat er ebenfalls gerupft. |
| Es sieht ihn traurig an und spricht: |
| Du brauchst doch meine Wolle nicht, |
| Und niemals that ich dir ein Leid. |
| Weßhalb zerrupfst du denn mein Kleid? |
| Es thut mir weh und ist auch schad. |
| Ei, rief der Freche, darum grad. |
| Miezel, eine schlaue Katze, |
| Molly, ein begabter Hund, |
| Wohnhaft an demselben Platze, |
| Hassten sich aus Herzensgrund. |
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| Schon der Ausdruck ihrer Mienen, |
| Bei gesträubter Haarfrisur, |
| Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen |
| Ist von Liebe keine Spur. |
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| Doch wenn Miezel in dem Baume, |
| Wo sie meistens hin entwich, |
| Friedlich dasitzt, wie im Traume, |
| Dann ist Molly außer sich. |
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| Beide lebten in der Scheune, |
| Die gefüllt mit frischem Heu. |
| Alle beide hatten Kleine, |
| Molly zwei und Miezel drei. |
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| Einst zur Jagd ging Miezel wieder |
| Auf das Feld. Da geht es bumm. |
| Der Herr Förster schoß sie nieder. |
| Ihre Lebenszeit ist um. |
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| Oh, wie jämmerlich miauen |
| Die drei Kinderchen daheim. |
| Molly eilt, sie zu beschauen, |
| Und ihr Herz geht aus dem Leim. |
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| Und sie trägt sie kurz entschlossen |
| Zu der eignen Lagerstatt, |
| Wo sie nunmehr fünf Genossen |
| An der Brust zu Gaste hat. |
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| Mensch, mit traurigem Gesichte, |
| Sprich nicht nur von Leid und Streit, |
| Selbst in Brehms Naturgeschichte |
| Findet sich Barmherzigkeit. |