| Nachdem er am Sonntagmorgen |
| Vor seinem Spiegel gestanden, |
| Verschwanden die letzten Sorgen |
| Und Zweifel, die noch vorhanden. |
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| Er wurde so verwegen, |
| Daß er nicht länger schwankte. |
| Er schrieb ihr. Sie dagegen |
| Erwidert: Nein, sie dankte. |
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| Der Schreck, den er da hatte, |
| Hätt ihn fast umgeschmissen, |
| Als hätt ihn eine Ratte |
| Plötzlich ins Herz gebissen. |
| Ach, wie eilte so geschwinde |
| Dieser Sommer durch die Welt. |
| Herbstlich rauscht es in der Linde, |
| Ihre Blätter mit dem Winde |
| Wehen über's Stoppelfeld. |
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| Hörst du in den Lüften klingend |
| Sehnlich klagend das Kuru? |
| Wandervögel, flügelschwingend, |
| Lebewohl der Heimath singend, |
| Ziehn dem fremden Lande zu. |
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| Morgen muß ich in die Ferne. |
| Liebes Mädchen, bleib mir gut. |
| Morgen lebt in der Kaserne, |
| Daß er exerziren lerne, |
| Dein dich liebender Rekrut. |
| Es war die erste Maiennacht. |
| Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht. |
| Da hielten, wie es stets der Fall, |
| Die Thiere ihren Frühlingsball. |
| Die Gans, die gute Adelheid, |
| Fehlt nie bei solcher Festlichkeit, |
| Obgleich man sie nach altem Brauch |
| Zu necken pflegt. So heute auch. |
| Frau Schnabel, nannte sie der Kater, |
| Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater; |
| Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl, |
| Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl. |
| So saß sie denn in ödem Schweigen |
| Allein für sich bei Spiel und Reigen, |
| Bei Freudenlärm und Jubeljux. |
| Sieh da, zum Schluß hat auch der Fuchs |
| Sich ungeladen eingedrängelt. |
| Schlau hat er sich herangeschlängelt. |
| Ihr Diener, säuselt er galant, |
| Wie geht's der Schönsten in Brabant? |
| Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig. |
| Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich. |
| Sie nickt verschämt: O Herr Baron! |
| Indem so walzen sie auch schon. |
| Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze |
| Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze. |
| Da tönt es vier mit lautem Schlag. |
| Das Fest ist aus. Es naht der Tag, — |
| Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer, |
| Ging Mutter Urschel aus, wie immer, |
| Mit Korb und Sichel, um verstohlen |
| Sich etwas fremden Klee zu holen. |
| An einer Hecke bleibt sie stehn: |
| Herrjeh, was ist denn hier geschehn? |
| Die Füchse, sag ich, soll man rädern. |
| Das sind wahrhaftig Gänsefedern. |
| Ein frisches Ei liegt dicht daneben. |
| Ich bin so frei es aufzuheben. |
| Ach, armes Thier, sprach sie bewegt. |
| Dies Ei hast du vor Angst gelegt. |
| Ach, wie vieles muß man rügen, |
| Weil es sündlich und gemein, |
| So, zum Beispiel, das Vergnügen, |
| Zuzusehn bei Prügelein. |
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| Noch vor kurzem hab ich selber |
| Mir zwei Gockel angesehn, |
| Hier ein schwarzer, da ein gelber, |
| Die nicht gut zusammen stehn. |
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| Plötzlich kam es zum Skandale, |
| Denn der schwarze macht die Kur, |
| Was dem gelben alle Male |
| Peinlich durch die Seele fuhr. |
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| Mit den Krallen, mit den Sporen, |
| Mit dem Schnabel, scharf gewetzt, |
| Mit den Flügeln um die Ohren |
| Hat es Hieb auf Hieb gesetzt. |
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| Manche Feder aus dem Leder |
| Reißen und zerschleißen sie, |
| Und zum Schlusse ruft ein jeder |
| Triumphirend Kickriki! |
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| Voller Freude und mit wahrem |
| Eifer sah ich diesen Zwist, |
| Während jedes Huhn im Harem |
| Höchst gelassen weiter frisst. |
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| Solch ein Weibervolk mit Flügeln |
| Meint, wenn Gockel früh und spät |
| Seinetwegen sich verprügeln, |
| Daß sich das vonselbst versteht. |
| Ich ging zur Bahn. Der Abendzug |
| Kam erst um halber zehn. |
| Wer zeitig geht, der handelt klug, |
| Er kann gemüthlich gehn. |
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| Der Frühling war so warm und mild, |
| Ich ging wie neubelebt, |
| Zumal ein werthes Frauenbild |
| Mir vor der Seele schwebt. |
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| Daß ich sie heut noch sehen soll, |
| Daß sie gewiß noch wach, |
| Davon ist mir das Herz so voll, |
| Ich steh und denke nach. |
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| Ein Häslein, das vorüber stiebt, |
| Ermahnt ich: Lass dir Zeit, |
| Ein guter Mensch, der glücklich liebt, |
| Thut keinem was zu leid. |
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| Von ferne aus dem Wiesenteich |
| Erklang der Frösche Chor, |
| Und überm Walde stieg zugleich |
| Der goldne Mond empor. |
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| Da bist du ja, ich grüße dich, |
| Du traulicher Kumpan. |
| Bedächtig wandelst du wie ich |
| Dahin auf deiner Bahn. |
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| Dies lenkte meinen Denkersinn |
| Auf den Geschäftsverlauf; |
| Ich überschlug mir den Gewinn. |
| Das hielt mich etwas auf. |
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| Doch horch, da ist die Nachtigall, |
| Sie flötet wunderschön. |
| Ich flöte selbst mit sanftem Schall |
| Und bleib ein wenig stehn. |
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| Und flötend kam ich zur Station, |
| Wie das bei mir Gebrauch. |
| O weh, was ist das für ein Ton? |
| Der Zug der flötet auch. |
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| Dort saust er hin. Ich stand versteint. |
| Dann sah ich nach der Uhr, |
| Wie jeder, der zu spät erscheint. |
| So will es die Natur. |