›Aber vor wem fürchten Sie sich denn? Es kennt Sie ja kein Mensch, es sieht Sie ja keine Seele; Sie können getrost mit mir kommen.‹

›Ich bitte Sie um Gottes willen, lassen Sie mich! Nein, nein, es darf nicht sein, dringen Sie nicht weiter in mich!‹ Sie zitterte; ich fühlte wohl, wenn ich ihr die Not der Mutter noch einmal recht dringend vorstellte, so ging sie mit, aber die Angst des Mädchens rührte mich tief.

›Gut, so bleiben Sie hier,‹ sprach ich. ›Aber sagen Sie mir, können Sie vielleicht arbeiten?‹

›O ja, mein Herr,‹ erwiderte sie, ihre Tränen trocknend.

›Könnten Sie vielleicht meine feinere Wäsche besorgen?‹

›Nein,‹ antwortete sie sehr bestimmt. ›Dazu sind wir nicht eingerichtet.‹

›Hier ist ein weißes Tuch,‹ fuhr ich fort. ›Können Sie mir vielleicht ein halb Dutzend besorgen und fertig machen?‹

Sie besah das Tuch und sagte: ›Mit Vergnügen, und recht fein will ich es nähen!‹ Zu meiner eigenen Beschämung mußte ich jetzt dennoch Geld hervorziehen, obgleich ich es vorhin verleugnet hatte.

›Kaufen Sie sechs solcher Tücher,‹ fuhr ich fort, ›und können Sie wohl drei davon bis Sonntagabend fertig machen?‹ Sie versprach es; ich gab ihr noch etwas für die Mutter, und sagte ihr, daß ich heute darauf nicht eingerichtet sei, aber Sonntag mehr tun könne. Sie dankte innig; es schien sie zu freuen, daß ich ihr Arbeit gegeben, denn noch einmal plauderte sie davon, wie schön sie die Tücher machen wolle, ja wenn ich nicht irre, so fragte sie mich sogar, ob sie nicht einen englischen Saum einnähen dürfe? Ich sagte ihr alles zu, aber als sie nun Abschied nehmen wollte, hielt ich sie noch fest. ›Eines müssen Sie mir übrigens noch zu Gefallen tun,‹ sprach ich, ›Sie können es gewiß und leicht.‹

›Und was?‹ fragte sie. ›Wie gern will ich alles für Sie tun.‹