»Der Ruhm? Herr, was nützt mich Ruhm ohne Geld? Gebe ich eine Sammlung gelehrter Reisen mit Kupfern heraus, die mich schwer Geld kosteten, so hat zwar meine Firma den Ruhm, das Buch verlegt zu haben. Aber wer kauft's, wer nimmt's, wer liest das Ding? Sechs Bibliotheken und ein paar Büchersammler, das ist alles, und wer geprellt ist, bin ich. Nein, Herr von Rempen! Eine vergriffene Auflage von einem Roman, eine Messe von höchstens dreißig Krebsen, das ist Ruhm, der echte, nämlich Ruhm mit Geld.«
»Das ist also ungefähr wie Tee mit Rum, es schmeckt besser,« erwiderte der Stallmeister, »aber ich meinte den schriftstellerischen Ruhm.«
»I nun, das ist etwas anderes,« antwortete er, »den haben die Herren neben dem Honorar umsonst. Und den weiß man sich zu machen, sehen Sie –«
2.
Doch die Forschungen des Herrn Kaper wurden hier auf eine unangenehme Weise durch einen Lärm unterbrochen, der im Laden des Italieners entstand. Neugierig sah man nach der Türe, welche durch ein Glasfenster einen Ueberblick über den unteren Teil des Gewölbes gewährte. Ein ältlicher und zwei jüngere Herren schienen in heftigem Streit begriffen; jeder sprach, jeder focht mit den Händen; der eine stürzte endlich mit hochgeröteten Wangen aus dem Laden, die beiden andern, noch keuchend vom Wortkampf, traten in das Gewölbe, wo die Freunde saßen.
»Herr Rat! Was ist mit Ihnen vorgefallen!« rief Doktor Zundler beim Anblick des älteren Mannes, der, ein gedrucktes Blatt in der Hand zerknitternd, atemlos auf einen Stuhl sank. »Haben Sie denn nicht gelesen, Doktor Zundler?« antwortete für den älteren der jüngere Mann, der unmutig und dröhnenden Schrittes im Zimmer auf und ab ging, »nicht gelesen, wie wir blamiert sind, nicht gelesen, daß man uns alle zusammen hier eine poetische Badegesellschaft, eine Bänkelsängerbande nennt?«
»Tod und Teufel!« fuhr der Doktor auf. »Wer wagt es, diese Sprache zu führen? Wer wagt, die ersten Geister der Nation auf diese Art zu benennen? Ich will nicht von mir sagen; was habe ich viel getan, um auf einigen Ruhm Anspruch machen zu können? Aber was für andere Männer finden sich hier! Sind es nicht – die schönsten Zierden der Nation? So jung Sie sind, Professor, sind denn nicht alle Blätter voll Ihres Lobes wegen Ihrer Trauerspiele, und unser Rat –«
»Aber büßen sollen sie es mir, büßen,« rief der letztere, »so wahr ich lebe, und Zundler, Sie müssen mithelfen und alle, die ins Freitagskränzchen kommen. Hab' ich es mir darum sauer werden lassen zwanzig Jahre lang, daß man jetzt über mich herfällt, und wegen nichts, als wegen der Rezensionen über den dummen Roman: ›Die letzten Ritter von Marienburg‹, sonst wegen nichts!«