Des Verfassers eigene Kritik über vorstehende Novelle.

(Litteraturblatt des Morgenblatts 1827 Nr. 92 u. ff.)

Die letzten Ritter von Marienburg, Novelle von W. Hauff. Auch wieder einmal eine Novelle, doch gottlob keine historische, wie wir beim ersten Anblick geargwöhnt hatten; lieber wäre es uns gewesen wenn Herr Hauff seinen Stoff, wie es im ersten Kapitel geschieht, durchaus zu einer Satire der historischen Romane, nicht aber zu einer ziemlich unnötigen Belobung derselben benützt hätte. Auch ist es nicht sehr bescheiden, daß der Herr Verfasser den Roman »Die letzten Ritter von Marienburg« so oft als trefflich und unvergleichlich schildert, da er doch selbst es ist, der die Skizze davon entworfen hat.

Die letzten Partien der Novelle sind abgerissener und eilender als die ersten und verfehlen dadurch den Charakter der besonnenen Ruhe und Rundung, den die Novelle haben soll. Herr Hauff scheint sich zwar diesmal in Hinsicht auf Sprache und Anordnung mehr Mühe gegeben zu haben als im vorjährigen Frauentaschenbuch; aber auch hier sind die Figuren nur skizziert, flüchtig angedeutet und gelangen somit nicht zu echterm, farbigem Leben. Das Motiv, aus welchem Fräulein Elise den Dichter Palvi aufgibt, ist, wenn ein natürliches, doch jedenfalls kein poetisches.


Die Sängerin.

1.

»Das ist ein sonderbarer Vorfall!« sagte der Kommerzienrat Bolnau zu einem Bekannten, den er auf der breiten Straße in B. traf; »gesteht selbst, wir leben in einer argen Zeit.«