»Ihm nach, halten Sie ihn auf,« rief die Sängerin, »führen Sie ihn zurück, es gilt meine Seligkeit!«
»Mit nichten, Wertgeschätzte,« entgegnete Doktor Lange, indem er sich aus seinem Lehnstuhl aufrichtete; »diese Szene darf nicht fortgespielt werden. Ich will Ihnen etwas Niederschlagendes aufschreiben, das Sie alle Stunden zwei Eßlöffel voll einnehmen werden.«
Die Unglückliche war in ihre Kissen zurückgesunken, und ihre Kräfte waren erschöpft, sie verlor das Bewußtsein von neuem.
Der Doktor rief das Mädchen und suchte mit ihrer Hilfe die Kranke wieder ins Leben zurückzubringen, doch konnte er sich nicht enthalten, während er die Essenzen einflößte, das Mädchen tüchtig auszuschmälen. »Habe ich nicht befohlen, man solle niemand, gar niemand hereinlassen, und jetzt läßt man diesen Wahnsinnigen zu, der Ihr braves Fräulein beinahe zum zweitenmal ums Leben brachte.«
»Ich habe gewiß sonst niemand hereingelassen,« sprach die Zofe weinend; »aber ihn konnte ich doch nicht abweisen; sie schickte mich ja heute schon dreimal in sein Haus, um ihn zu beschwören, nur auf einen kleinen Augenblick zu kommen; ich mußte ja sogar sagen, sie sterbe und wolle ihn vor ihrem Tode nur noch ein einziges Mal sehen!«
»So? Und wer ist denn dieser –«
Die Kranke schlug die Augen auf. Sie sah bald den Doktor, bald das Mädchen an, ihre Blicke irrten suchend durchs Zimmer. »Er ist fort, er ist auf ewig hin,« flüsterte sie; »ach, lieber Doktor, gehen Sie zu Bolnau!«
»Aber, mein Gott, was wollen Sie nur von meinem unglücklichen Kommerzienrat, er hat sich über Ihre Geschichte schon genug alteriert, daß er zu Bette liegen muß; was kann denn er Ihnen helfen?«
»Ach, ich habe mich versprochen,« erwiderte sie, »zu dem fremden Kapellmeister sollen Sie gehen, er heißt Boloni und logiert im Hotel de Portugal.«