»Schaut! reitet dort unten nicht ein Geharnischter? Sieht aus wie ein Ritter!« Die Männer sahen aufmerksam nach dem Ende des Tales. Dort sah man einen Helm und Harnisch in der Sonne blinken, auch ein Pferd wurde hie und da sichtbar. Der Pfeifer von Hardt sprang auf und klimmte auf die Eiche hinan. Von diesem hohen Standpunkt konnte er das Tal besser übersehen. Noch war der Reiter zu fern, als daß er seine Züge hätte unterscheiden können, aber er glaubte seine Feldbinde zu erkennen, er glaubte den Mann zu erkennen, den er in dieser Stunde erwartete.
»Was siehst du?« riefen die Hauptleute. »Ist es einer, der zufällig durchs Tal reitet, oder glaubst du, er kommt vom Herzog?«
»Richtig, weiß und blau ist die Schärpe,« sprach der Pfeifer; »das ist sein langes Haar, so sitzt er zu Pferd. Ei, du Goldjunge, willkommen in Württemberg! Jetzt sieht er eure Wachen, jetzt reitet er auf sie zu; schau', wie die Bursche ihre Lanzen vorstrecken und die Beine ausspreizen.«
»Ja, was Landsknechte sind, die verstehen den Kriegsbrauch; darf keiner vorbei, wo die Hauptleute liegen, ohne daß er Rede steht.«
»Halt! jetzt rufen sie ihn an; er spricht mit ihnen, sie deuten hieher; er kommt!« Der Pfeifer von Hardt stieg mit freudeglühendem Gesicht vom Baume herab.
»Diavolo maledetto! bassam marendete! Zie werden ihn doch nicht allein reiten lassen? Ez wird doch einer zein Roß am Zügel führen nach Kriegsbrauch! Wie? Ist ez ein Ritter, der kommt?«
»Ein Edelmann, so gut wie einer im Reich,« antwortete der Pfeifer; »und der Herzog ist ihm sehr gewogen.« Bei dieser Nachricht standen die Hauptleute auf, denn ob sie sich gleich nicht wenig einbildeten, Hauptleute zu heißen, so wußten sie doch, daß sie eigentlich nur Landsknechte und dem Ritter jedes Zeichen von Ehrerbietung schuldig seien. Der Oberst aber setzte sich gravitätisch am Fuß der Eiche nieder, strich den Bart, daß er hell glänzte, setzte den großen Hut mit der Hahnenfeder zurecht, stützte sich auf seinen großen Hieber und erwartete so den Ritter.