Stumm vor Staunen lag er vor mir auf den Knien; er hielt in einer malerischen Stellung das rosenfarbne Maß in der Hand, die Brieftasche war ihm entfallen. »I der Tausend!« preßte er heraus. »Wie meinen Sie denn das, wertgeschätzter Herr …?«

»Nun, ich habe letzthin eine kleine Attacke mit den eisernen Ladenstangen gesehen, wo eine Fensterscheibe zerschlagen wurde, da dachte ich –«

»Ei, so hat Brenners Karlchen doch recht gehabt,« rief er, »er hat gesagt, Sie haben herausgesehen; ja, ich hatte einen kleinen Spaß mit des Meisters Tochter.«

»Und wenn ich recht gesehen, ist sie Ihnen gut, die Mamsell?«

Der gute Pariser wurde über und über rot, und ein Strahl der Freude schien aus seinen ehrlichen Augen zu dringen. »Was hilft es mir auch, wenn mir das Mädchen gut ist?« sagte er nach einigen Augenblicken leise, »ich kriege sie doch nicht!«

»Und warum nicht,« fragte ich verwundert, »ein geschickter Arbeiter, der sogar in Paris gelernt hat, diesen sollte der Meister verschmähen?«

»Es ist wahr,« sagte der junge Schuster nicht ohne Selbstgefühl, »ich habe in Deutschland und Frankreich gelernt; ich habe in Paris, Amsterdam, Berlin und Frankfurt in den berühmtesten Ateliers gearbeitet, aber was hilft's? Der Meister ist reich und vornehm, er wird nächstens Stadtrat werden, er sucht seine Tochter in vornehme Familien zu verheiraten. Ein Bierbrauer, ein Schweinemetzger, ein Rotgerber, alles vornehme und angesehene Herren, die wenigstens ihre zwanzig- bis dreißigtausend Taler schwer sind, haben um Karolinchens Hand angehalten, und der Alte ist nur noch im Zweifel, wem er sie geben solle.«

Der arme Bursche dauerte mich, er hatte Tränen in den Augen, während er mir das erzählte. »Und Karolinchen?« fragte ich.

»Ach! das ist gerade mein Jammer; sie hat mich lieb, wir haben es vergangenen Sonntag auf dem Tanzboden einander gestanden. Wenn ich wollte, sie liefe mit mir davon, denn sie mag keinen andern als mich, aber ich weiß wohl, in den Romanbüchern werden oft junge Frauenzimmer entführt, die es nachher recht gut bekommen; aber was kann ich ihr anbieten? Bis ich Meister werde zu Haus, geht mein kleines Vermögen vollends drauf, und ich soll sie in ein Haus voll Kummer und Sorgen führen? Nein; sie wird mich vielleicht doch auch vergessen können. Sie soll heiraten, wie es der Vater will, sie wird dann eine vornehme, wohlhabende Frau, und wenn sie erst ein paar liebe Büblein hat, denkt sie nimmer an unsere Liebschaft und an den armen Pariser.«

»Aber Sie? Können Sie so ruhig entsagen? Wird es Ihnen nicht recht schwer werden, von Karolinchen zu scheiden?«