Am 28. brachen wir ungewöhnlich früh auf, um die Machuca-Rapids zu passiren, aus Stromschnellen von drei Miles Länge bestehend, sehr beschwerlich und sogar gefährlich, da das Wasser sehr starken Fall hat und über große Felsstücke geht. Zwei Boote, welche uns folgten, vereinigten sich mit uns, eines der Boote nach dem andern herüber zu bringen, wozu immer 20 bis 25 Mann nöthig waren, und womit wir erst am Abend zu Stande kamen, so daß wir an diesem Tage nicht über vier Miles zurücklegten.
Während die Boote über die Fälle gebracht wurden, ging ich ans Ufer einen wilden Truthahn zu schießen; als ich in kurzer Entfernung auf einen großen Puma (Tiger) stieß, der, niedergekauert liegend, feindselig knurrte und mir mit seinen grünglänzenden Augen Liebesblicke zuwarf. Obschon man sagt, daß der centralamerikanische Tiger in der Regel Menschen nicht angreift, so wußte ich doch nicht, wann gegenwärtiger zuletzt gefrühstückt hatte, und schnell riß ich die Büchse an den Backen. Doch die Begierde, das schöne Fell zu erlangen, ließ mich zu unbedachtsam feuern, und meine Kugel zerschmetterte ihm das linke Schulterblatt. Heulend warf sich die Bestie ins Gebüsch, und ich, ein Pistol ziehend, rasch hinterdrein. Auf dem schlüpfrigen Boden strauchelnd, blieb ich mit dem Fuß in einer Liane hängen, und zu Boden stürzend entlud sich mein Pistol, während mein werthes Ich sich im Koth der jungfräulichen Wälder abdrückte. Weitere Verfolgung erwies sich als nutzlos, und ich kehrte zum Boot zurück, da dumpf rollender Donner einen Hurican verkündigte.
Kaum angelangt, brach das Wetter los, und heftige Donnerschläge, wie der Schall vieler Kanonen, schienen die Grundvesten der Erde erschüttern zu wollen, während alle Schleußen des Himmels ihre Wasserströme auf uns herabsendeten. Ein zufällig auf dem Deck stehender Blech-Eimer diente mir als Regenmesser, und zeigte in einer Viertelstunde 14 Zoll Wasser. Wir waren gerad an einer schwierigen Stelle der Fälle, und 20 Mann mußten ins Wasser das Boot weiter zu bringen, während der Rest der Mannschaft vom Boote aus mit langen Stangen nachhalf. Ein Blitz, der kurz vor dem Boot einen ungeheuern Baum zusammenschlug, vollendete die Verwirrung, die anfing gefährlich zu werden, da Alles durcheinander schrie und lärmte. Der Patron betete zu St. Antonio, die Amerikaner fluchten und suchten die Indianer mit gezogenem Pistol oder Knüppel zu neuen Anstrengungen anzutreiben, und ich brauchte das wenige Spanisch, das ich weiß, und schrie: Agua ardiente! Agua ardiente! (Schnaps), welches Alles zusammen denn auch seine Wirkung that, gleichviel nun, ob St. Antonio, die Prügel oder der versprochene Schnaps, den ich von dem für die Insecten und Reptilien mitgenommenen Alkohol austheilte, geholfen hatte.
Ich muß bemerken, daß St. Antonio, welcher für die Machuca-Rapids eine besondere Gültigkeit haben soll, jedenfalls ein unangenehmes Amt bekleidet. Ich wenigstens würde die Patronschaft ablehnen, müßte ich den ganzen Tag Boote über diese verwünschten Stromschnellen bringen.
Im letzten Rapid liegt das Wrack eines amerikanischen Dampfbootes, das, für die See bestimmt, jetzt durch ein anderes ersetzt worden ist. (Dieser Steamer war wahrscheinlich dem St. Antonio, der nur das Bungo gewöhnt ist, zu schwer, deshalb ließ er ihn sitzen.)
In der folgenden Nacht hatten wir arg zu leiden von dem vielen Regenwasser, das, in das Boot gedrungen, die Häute, mit denen die Waaren bedeckt, aufgeweicht hatte, was einen pestilenzialischen Geruch verursachte. Ueber die Cajüte hatte ich eine große Gummidecke gebreitet, die als Frachtstück mitging und uns selbst wenigstens trocken hielt.
Wir sahen hier Herrn Cropsey, Ingenieur des Canals, welcher ein auf ein Boot befestigtes Haus bewohnt und längs des Flusses die vorbereitenden Arbeiten leitet. Er war sehr erfreut in der Bootsladung für ihn bestimmtes Fleisch, Mehl, Branntwein und Kaffee zu finden, denn in einer Länge von 90 Miles ist gar nichts zu bekommen, da der ganze Fluß unbewohnt ist.
Einer der Passagiere ward heftig vom Fieber geschüttelt, alle waren unwohl, doch brachten einige meiner mitgenommenen Aloepillen eine erwünschte Aenderung bei Allen hervor, mit Ausnahme des Fieberkranken, der durch einen am Morgen hinzugetretenen Schlaganfall sich sehr übel befand. Doctor Gescheidt's Geschenk, eine Lanzette, leistete mir beim Aderlaß, den ich an ihm vornahm, gute Dienste, und er befand sich bald besser darauf.
Bis zu den Rapids Castello Viejo ist stilles Wasser von gehöriger Tiefe, ebenso oberhalb derselben bis zum See, so daß die größten Mississippi-Boote bequem gehen können, nur werden die Rapids ziemlich bedeutende Schleußenbauten erfordern. Im ganzen Fluß ist jedoch kein größeres Hinderniß als solche, die im St. Lawrence-Fluß schon mit großer Leichtigkeit überwunden worden sind, nur ist hier die große Schwierigkeit, daß die Eingebornen schlechte Arbeiter und bei jeder ihnen unbekannten Arbeit unbrauchbar sind, und Arbeiter aus dem Norden haben anfänglich viel vom Klima zu leiden.
Am 29. Junius langten wir im Castello Viejo an. Auf der Spitze eines kleinen Hügels liegen die Trümmer des alten Castells und beherrschen die kurzen, aber sehr heftigen Stromschnellen; es wurde jedoch von den Briten 1848 belagert und geschleift. Mit vieler Mühe hieb ich mir einen Weg zum Gipfel nach den Trümmern, die in schon so kurzer Zeit ganz von der Alles überwuchernden Vegetation bedeckt sind; da wo noch vor vier Jahren die Kanonen über die Geschützbettungen donnerten, stehen schon große Bäume. Die größte Sicherheit des Platzes bestand in dem Mangel an Raum zu Errichtung feindlicher Batterien, für die erst der Wald niedergehauen werden mußte. Das Fort selbst besteht theils aus Felsen, theils ist es aus einer Art Porphyr, theils aus Ziegelsteinen gemauert. Seine gegenwärtige Besatzung besteht nur aus Fledermäusen, von denen ich in den Casematten mehrere nach männlichem Kampfe erlegte, andere fing. Sie waren den nordischen Fledermäusen ähnlich, und hatten durch einen aufrecht stehenden Hautlappen über der Nase das Aussehen eines Nashorns. Farbe ganz schwarz, Körper haarig, fünf Zehen, an den Flügeln kleine Haken, Zähne außerordentlich groß, beinahe so lang wie die obere Kinnlade. Einige alte spanische Geschütze liegen im Schutte begraben.