Am 18. brachte eine Escolta Hondurenser 10 Amerikaner, die sich laut Vertrag im Hafen von Realejo hatten einschiffen wollen und im Augenblicke ihrer Einschiffung von den nachgeschickten Truppen gefangen genommen worden waren, in die Stadt. Dr. Livingston und ich, da ich wieder so weit Reconvalescent war, um ausgehen zu dürfen, gingen sogleich um die Gefangenen zu sehen, wurden aber zurückgewiesen. Wir kehrten sogleich um, ich um zu Mr. Kerr zu gehen und ihm den Vorfall anzuzeigen, während Dr. Livingston schriftlich von Don Fruto Chamorro eine Erklärung über diese neue Vertragsverletzung verlangte.

Nach einigem Hinundherverhandeln ward uns endlich allen Dreien der Zutritt verstattet, und traurig genug war der Anblick der armen Leute; in einem wahren Hundeloche, voller Schmutz und Ungeziefer, ohne Essen, Trinken, noch irgend eine Spur von Versorgung. Es wurden indeß vier, welche infolge der Mißhandlungen bedeutend erkrankt waren, sogleich auf Dr. Livingstons Bürgschaft an diesen ausgeliefert, während der Rest, Dank den energischen Schritten des Mr. Kerr, später gegen Handgelöbniß entlassen, und seit gestern in völlige Freiheit gesetzt wurden, bis zu welchem Tage sie alle im gastfreien Hause des Dr. Livingston eine Zufluchtsstätte gefunden hatten.

Die Lage der eingeborenen Gefangenen blieb jedoch nach wie vor dieselbe, und ohne Mr. Kerr's unermüdliche Wachsamkeit, der sich überhaupt während dieser ganzen Zeit kein geringes Verdienst um die Ruhe und Sicherheit der Stadt erworben, wären sie vielleicht schon längst ihres Lebens beraubt worden. Man hatte mehrfach beabsichtigt, dieselben aus dem bischöflichen Palaste, wo sie gefangen gehalten wurden, an einen anderen Ort zu bringen, und es entspräche ganz dem niedrigen Charakter der jetzt herrschenden Partei, bei der sich, wie dies so häufig der Fall ist, Feigheit mit Grausamkeit paart, während des Transportes unter möglichst schwacher Bedeckung, die Gefangenen von einem Haufen gedungener Mörder überfallen und abschlachten zu lassen. Das Gouvernement kann ja dann mit Leichtigkeit alle Schuld von sich abwälzen und öffentlich mit größtem Eifer nach den Dolchen suchen, die es in der eigenen Schärpe trägt.

Das politische Wetter ist übrigens noch entsetzlich schwül und ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht binnen ganz kurzer Zeit ein neues Ungewitter losbräche. Durch den, vor einigen Tagen erfolgten Abmarsch der Hondurenser, so wie massenhafte Desertionen unter den Granadinern ist die Stärke der Besatzung, welche Chamorro noch unter seinen Händen hat, auf circa 260 Mann zusammengeschmolzen, und schon tauchen hin und wieder Gerüchte von einem vorbereiteten neuen Aufstande auf. Dazu hat Chamorro in seinem kindischen Unverstande die von Munoz sehr zweckmäßig angelegten Batterien um die Kathedrale, welche dieselbe zu einer, nach hiesigen Verhältnissen, fast uneinnehmbaren Stellung machten und mit deren Hülfe er die ganze Stadt leicht in Schach halten konnte, rasiren und die Geschütze demontiren lassen, während er in seiner ganzen Armee nicht einen Officier besitzt, der fähig wäre sie wieder in Stand zu setzen. Bricht nun früher oder später eine neue Revolution aus, so wird sie jedenfalls grausamer und verderblicher wie die vorhergegangene, und wahrscheinlich würde es dann wiederum den Granadiner Grundbesitzern und Handelsherren ebenso scharf an die Börsen und Waarenlager gehen, wie jetzt den Leonesischen.

Noch muß ich hinzufügen, daß auch Don Fruto Chamorro, auf die offizielle Anfrage seiner Regierung, die Existenz der mit Munoz abgeschlossenen Capitulation gänzlich ableugnete, trotzdem Mr. Kerr die schriftlichen Beweise dafür in Händen hat und dieselben präsentirte, ein Verfahren, für welches in jedem nur halb civilisirtem Lande einem solchen Officier der Degen zerbrochen worden wäre.

Wann wird doch dieses herrliche, von der Natur in jeder Hinsicht so sehr begünstigte Land aufhören, durch die niedrigen Leidenschaften seiner erbärmlichen Bewohner, durch die Schwäche und Hinterlist seiner Machthaber in immer tiefere Degradation zu sinken? Wahrscheinlich nicht eher, als bis die Sterne und Streifen über dem ganzen Isthmus wehen, und zum Heile der Civilisation muß man wünschen, daß dies recht bald geschehen möge.

Quien sabe! – wie die Leute hier zu Lande immer zu sagen pflegen.

Wenig bleibt mir noch hinzuzufügen. Betrachtet man diese letzte Revolution im Ganzen, so ist es allerdings in keiner Weise zu rechtfertigen, den Präsidenten so ohne Weiteres bei Nacht und Nebel über die Grenze zu werfen, so wenig befähigt dieser sich auch für seine Amtsführung zeigen, oder dieselben mißbrauchen mochte; andrerseits dient aber auch das Benehmen eben dieser Schützer der Gesetze den ewigen Revolutionen, wenn auch nicht zur Rechtfertigung, so doch zu einiger Entschuldigung. Ich kenne bis jetzt wenigstens noch kein Volk, das weniger befähigt ist sich selbst zu regieren, und eine Art von russischem Gouvernement würde ihm eine wahre Wohlthat sein.

Die Geschichte bietet Beispiele, wie durch lang anhaltende Tyrannei civilisirte Nationen gänzlich demoralisirt worden sind; dies Volk aber ist ein Beispiel des umgekehrten Falls, der Demoralisation durch Unabhängigkeit, denn von da an datirt sich dieselbe, wenn schon die Ursachen vielleicht noch viel weiter zurückliegen mögen.

Von mir habe ich nur noch zu sagen, daß die Folgen des Fiebers allgemach schwinden und ich dessen quitt zu sein hoffe. Es drängt und treibt mich wieder hinauszukommen, an die Fortsetzung meiner Studien und Arbeiten. Zunächst nach der Küste des Pacific, um mich durch die Seeluft zu stärken, dann nach dem Dorfe Felica, etwa 7 Meilen von hier, wo ich kurz vor der Erkrankung einen altindischen Begräbnißplatz und beim Nachgraben mehre höchst interessante Alterthümer aufstöberte, die ehemöglichst ausgebeutet werden müssen. – – –